Nicht ganz ungefährliche Liebschaften

Was ist die Liebe? Ein Haus, wie Sonja einmal sagt, das man sich gemeinsam einrichtet? Oder wie Alex meint, ein Ikea-Regal, unvollkommen, mit fehlenden Schrauben? Sonja und Alex sind ein Paar, und alles könnte bestens sein. Doch bereits als sie sich kennen lernen, trifft Alex Iwona. Sie ist ganz anders als die selbstbewusste und attraktive Sonja, spröde und unscheinbar. Alex mag Iwona nicht einmal, doch er fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie wird zur Obsession, aber getrieben von der Sehnsucht nach Leben und Liebe ist Alex im Grunde beziehungsunfähig. Als Iwona das Kind von ihm erwartet, das Sonja sich wünscht, kommt es zu einer überraschenden Entscheidung. Aber dann, mehr sei nicht verraten, riskiert Alex alles und gelangt ganz unten an.

"Sieben Jahre" ist sicher kein einfacher, aber ein umso packender Roman. Es ist erstaunlich, wie lakonisch Peter Stamm widersprüchliche und extreme Gefühle beschreibt und welche Sogkraft sein Erzählton dabei entwickelt. Ungelebtes Leben, existenzielle Krisen, dramatische Wendepunkte – Stamm variiert und verdichtet die für ihn typischen Motive. Krise bedeutet dabei auch immer die Chance, zu sich zu finden. Und so fühlt sich Alex, der öfters einfach abhauen und alles hinter sich lassen will, als er alles zu verlieren droht, endlich wie aus einer Bewusstlosigkeit erwacht und frei. Und vielleicht beginnt jetzt sein Leben.

* Peter Stamm: Sieben Jahre. Verlag S. Fischer. 298 Seiten. EUR 18.95

[Thomas Niederbühl]

 

 

Kommentieren

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


Kann ich nicht lesen, neues Bild bitte.


Kommentare werden umgehend geprüft und erst dann freigeschaltet.

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Teilen |