Der Chef-Styler
Jan Delay störte sich am Umzug des MTV Hip Hop Open Minded-Festivals von Stuttgart nach Mannheim bestimmt nicht. Schließlich schätzt er die “ausgeprägte Feierwilligkeit” des Mannheimer Publikums so sehr, dass er vor zwei Jahren Teile der Live-Version seines Albums “Mercedes Dance” im Capitol mitschneiden ließ. Am 18. Juli stellte der bekennende Hamburg-Mannheimer vor dem Schloss sein neuestes Werk vor. MEIER hatte mit dem Chef-Styler vorab ein paar Takte geplaudert.
MEIER: Als Werder-Fan mit Wohnsitz Hamburg: Wie fandest du das Finale der Bundesliga?
Jan Delay: Super geil! Ich war beim Papierkugelspiel sogar im Stadion. Es war mir eine große Freude, den Werder-Sieg laut zu bejubeln.
MEIER: Das neue Album “Wir Kinder vom Bahnhof Soul” erscheint erst im August. Wird es live in Mannheim schon ein paar Kostproben zu hören geben?
Delay: Klar spielen wir zwei, drei neue Songs und wahrscheinlich auch zwei neue Medleys. Das Zeug geht ziemlich nach vorn.
MEIER: In einem Blog habe ich gelesen, dass du in Düsseldorf schon die neue Single “Oh Jonny” gespielt haben sollst, aber der Zeuge erklärte, er sei zu besoffen gewesen, um noch ein Qualitätsurteil zu treffen.
Delay: Ist ‘ne echt starke Nummer! Kann man auch besoffen eigentlich nicht überhören.
MEIER: Zuletzt hast du mit der offensiv ausgestellten Blutsbrüderschaft mit Udo Lindenberg überrascht. Das ging ja über die üblichen Respektsbezeugungen weit hinaus.
Delay: Das ist hauptsächlich auf der Medienoberfläche passiert. Was für mich passiert ist, ist, dass ich ein ganzes Jahr im Studio war und eine geile neue Platte gemacht habe.
MEIER: Nach Hip Hop kam Reggae kam Funk … Jetzt also Soul?
Delay: Auch meine erste Soloplatte “Searching for the Jan Soul Rebels” hatte bereits “Soul” im Titel, war aber ein Reggaealbum. Beim neuen Album geht es um Inneres, die Seele und die Liebe, aber musikalisch ist es wieder eine Tanzplatte. Nur eben viel besser als “Mercedes Dance”, die sich ja bei Frühsiebziger-Funk bediente. Jetzt sind eher die späten 70er Jahre dran: Earth, Wind & Fire, Chic, Johnny “Guitar” Watson. Das flasht mich voll, “Mercedes Dance”, nur viel besser, internationales Niveau.
MEIER: Du spielt auf dem Hip Hop Open Minded. Fühlst du dich da nicht mittlerweile etwas fehl am Platz?
Delay: Auf keinen Fall! Wenn du dir das Line-Up des Festivals anguckst, dann ist das ein sehr offenes Programm mit gar nicht so viel Hip Hop. Aber auch, wenn es ein reines Hip Hop-Programm wäre, wäre ich dort richtig, denn unsere Show ist Hip Hop und ohne Funk gäbe es auch keinen Hip Hop. Ich wäre auch perfekt in einem Line-Up, das bestehen würde aus Bushido, Sido, Public Enemy und Oli P.
MEIER: Ist das Line-Up repräsentativ für die Situation von Hip Hop in Deutschland 2009?
Delay: Nö! Ich denke, das Line-Up ist repräsentativ dafür, was die Veranstalter sich für ‘ne geile Show live so vorstellen. Da muss man bedenken, wer alles schon auf dem Hip Hop Open gespielt hat, wer auf den anderen Festivals spielt. Da soll schon was Besonderes sein – und ist es ja auch. Wenn man den Schwerpunkt des Programms auf Deutschland legt und nicht all die Amerikaner rüberholen will, wenn man diejenigen einladen will, die die Leute ziehen, dann waren das zuletzt nun mal Peter Fox, Clueso und ich. Und wir machen keinen straighten Hip Hop.
MEIER: Dein alter Kumpel Denyo ist auch mit dabei.
Delay: Genau, aber hat sich mit seiner neuen Platte auch extrem vom Hip Hop entfernt. Wir sind alle schon lange dabei, da langweilt man sich auch schon mal und holt sich andere Einflüsse dazu. Ist doch prima, wenn jeder macht, was er gut findet. Ich würde das als gesunde Weiterentwicklung bezeichnen.
MEIER: In einem Interview hast du kürzlich gesagt, dass du die Kollaborationen mit Udo Lindenberg oder Nena wichtig findest, weil du den jungen Leuten zeigen kannst, dass es noch was Anderes gibt als LaFee oder Revolverheld.
Delay: Genau! Ich hatte das Glück, mit cooler Musik aufzuwachsen. Das hat mir viel gegeben und mich zu dem gemacht, was ich heute bin, auch ideell. Das würde ich gerne weitergeben. Mir hören die Kids eben eher zu als irgendwelchen Retro-Knackern.
MEIER: Retro-Knacker?
Delay: Na ja, wenn Leute wie Maceo Parker Funk spielen, da gehen da Leute hin, die ihn vielleicht noch von früher kennen, aber keine Kids. Zu mir kommen die Kids aber – und ich spiele denen dann den Funk.
MEIER: Die richtige Tour zum neuen Album kommt erst im Oktober. Wenn “Bahnhof Soul” so viel größer ist als “Mercedes Dance”, was haben wir live zu erwarten?
Delay: Alles! Die neue Bühne ist der Wahnsinn, unsere neuen Outfits sind großartig. Der Auftritt bei der Hip Hop Open Minded ist eine Zwischenstation, mit dickem Ausrufezeichen hinter Entertainment! Aber was im Oktober passieren wird, ist noch mal ein ganz anderer Schnack. Das wird richtig fett!
[Ulrich Kriest, MEIER 7/2009]




