Ukrainischer Slapstick von Serhij Zhadan

Charkiw ist eine Metropole im Osten der Ukraine. Für westliche Leser eine unbekannte Welt. Basis einer starken kommunistischen Partei, die sich traditionell mehr Russland als dem Rest von Europa verbunden fühlt. Vielleicht bekannt für die futuristisch marode Großindustrie. Bollwerk gegen die "orangene Revolution", die dem riesigen Land einen Demokratisierungsprozess bringen wollte. Eine Region zwischen postsowjetischer Tristesse und Aufbruch nach Konsumistan. Also eine Oase für Helden des Alltags auf ihren abenteuerlichen Reisen zum Glück. Und das ist hier gleichbedeutend mit erfolgreich "Business" machen.

In diesem Panoptikum siedelt der Schriftsteller Serhij Zhadan seine Figuren an. Seine Geschichten handeln von absurden Geschäftsmodellen, Suff und Korruption. Gerne leitet der Autor die Situationen mit leicht altklugen Einführungen an. Doch dann lässt er seine Helden in den Strudel aus verzweifelten kapitalistischen Schnapsideen und sowjetisch geprägtem Pathos fallen. Ansonsten stolpern die Erzählungen durch einen Mix aus Slapstick und pataphysischer Derbheit. Tragik entsteht hier durch guten Willen. Alles geht den Bach hinunter, weil die Protagonisten sich beständig durch Unfähigkeit und Alkohol selbst im Wege stehen. Zhadan unterstreicht diesen humorigen und fatalistischen Zug mit postmodernen Ansätzen, von denen der Leser zwar nicht unbedingt überrascht, aber auch nicht mit traditionellen Erzählsträngen gelangweilt wird. Ein schnelles Buch!

[fin]

*Serhij Zhadan: Hymne der demokratischen Jugend. Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr. 185 Seiten. €19.80

 

 

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