Psycho-Satire von Philip Roth

Die Provokation dieses Buches war mindestens so groß wie sein Erfolg: In den USA dauerte es nach Erscheinen von "Portnoys Beschwerden" im Jahr 1969 nur wenige Monate, bis eine halbe Million Exemplare über die Ladentheke gegangen und die Filmrechte verkauft waren. Die Gründe für diesen Erfolg sind nicht schwer zu erraten: Eine solche Mischung aus Komik und Obszönität, schnoddrigem Alltags-Ton und intelligenten Wut-Kaskaden, aufbrausender Wildheit und unnachgiebiger Selbstanalyse hatte man bis dahin weder bei Henry Miller noch bei Philip Roths Vorbild Saul Bellow lesen können. Alexander Portnoy heißt der Ich-Erzähler in Roths Roman – er ist 33, erfolgreicher Jurist und hat seit frühester Kindheit ausgeprägte sexuelle Fantasien. Portnoy ist zudem Jude, was ihm sowohl zu Schaffen macht als auch sein Selbstbewusstsein befördert. In einem langen Monolog, eine Sitzung beim Analytiker imaginierend, erzählt er von seinem bisherigen Leben. Er spart dabei nicht mit Invektiven gegen seine Eltern und mit Offenheit gegenüber seinen sexuellen Abenteuern, zunächst als masturbierender Sohn eines prinzipientreuen Vaters und einer gluckenden Mutter, später als hemmungsloser Schicksen-Jäger. Einmal beschreibt er sich als "Raskolnikow des Wichsens".

Mit der Neuübersetzung von Werner Schmitz hat das Buch nun auch seine Frische zurückbekommen: Portnoy ist so vital und viril, wie er es vermutlich beim Erscheinen des Romans 1969 war.

 

*Philip Roth: Portnoys Beschwerden. Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz. Hanser Verlag. 288 Seiten. EUR 21.50

[Ulrich Rüdenauer]

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