Der Mediensatiriker im MEIER-Interview

Schräge Vögel und dumme, billige und schlechte Shows – das Fernsehen ist voll davon. Für Oliver Kalkofe bedeutet das: Es gibt viel zu tun. Egal, ob Bruce Darnell, Gülcan oder Uri Geller: der Mediensatiriker parodiert sie alle. Und zwar nicht nur in seiner Sendung „Mattscheibe“, sondern auch auf der Bühne. Ein Gespräch über Pimperpartner, Ufos und Schweine – kurzum: den TV-Irrsinn der letzten Zeit.

Meier: Ist Ihnen denn schon mal ein Fernseh-Auftritt missglückt? Gab es Situationen, in denen Sie gedacht haben: Eigentlich müsste ich mich jetzt selbst parodieren?

Oliver Kalkofe: Klar, im Nachhinein habe ich mir schon oft gedacht: Das war totaler Mist, du hast zwar geglaubt, der Auftritt könnte gelingen, aber letztlich ist er in die Hose gegangen. Auch ich mache Fehler.

Meier: Was würden Sie nicht mehr machen?

Kalkofe: Zum Beispiel keine Bluescreen-Aufsager für irgendwelche vermurksten Chart-Sendungen, bei denen ich dann noch in 100 andere Formate reingeschnitten werde, obwohl ich mit denen gar nichts mehr zu tun habe. Einige Show-Auftritte würde ich heute ebenfalls nicht mehr machen.

Meier: Haben Sie in letzter Zeit irgendwelche Angebote abgelehnt?

Kalkofe: Ja. Zum Beispiel einen Auftritt mit Oliver Welke. Wir sollten gemeinsam tanzen, in der neuen Kai-Pflaume-Show. Wir wollten „Riverdance“ machen, aber das war schon vergeben ... Nein, im Ernst: Ich war echt beleidigt, dass ich überhaupt gefragt wurde. Wozu habe ich eigenlich all die Jahre den Scheiß gemacht, wenn die dann doch kommen und ernsthaft fragen, ob ich da mitmachen will!?

Meier: Jetzt sind Sie auf Tour und wollen auch das Publikum in Mannheim „gegen den alltäglichen TV-Irrsinn impfen“, wie es bei Ihnen heißt. Wie sieht das aus?

Kalkofe: Es gibt ein buntes Programm. Mit klassischem Stand-Up, vielen Kostümwechseln, ein paar kleinen Mattscheiben auf Großbildleinwand, einem Gastauftritt von Onkel Hotte, meinem Märchenerzähler, und dann etwas, was mir und wohl auch dem Publikum am meisten Freude bereitet: Live-Mattscheiben auf der Bühne. Das heißt: aktuelle Einspieler und Kommentare zu Sendungen wie „Gräfin gesucht“. Auf der Bühne habe ich die Möglichkeit, spontaner zu sein. Ich habe mehr Freiheiten. Und: Ich kann mich dem ganzen Quatsch ausführlicher widmen als im Fernsehen.

Meier: Wie viele Stunden am Tag sehen Sie eigentlich Fern?

Kalkofe: Privat fast gar nicht. Macht keinen Spaß mehr. Es ist nur noch Arbeit und Zwang. Beruflich komme ich – wenn ich mich zum Beispiel auf die Mattscheibe vorbereite – auf zehn Stunden pro Tag. Das ist dann ’ne richtig harte Zeit. Aber nur für ein paar Wochen. Länger würde ich das nicht durchhalten.

Meier: Was war der größte Unfug der letzten Zeit?

Kalkofe: Oh, da gab es einiges. Die Sender trauen sich nichts mehr, haben ja kaum noch Geld. Und das Wenige, was sie haben, verbraten sie zum Beispiel dafür, einen Pimperpartner für Giulia Siegel zu finden. Oder Beischlafgehilfen für Désirée Nick und Maja von Hohenzollern. Leute, die man nicht sehen möchte! Die man nicht kennenlernen möchte! Und die deswegen auch keinen abbekommen!

Meier: Furchtbar!?

Kalkofe: Eindeutig. Man möchte einfach nur Ruhe vor denen haben. Mein „Lieblingsprogramm“ überhaupt war aber Uri Gellers Ufos- und Aliensshow: Drei Stunden an einem Samstag, zur Prime-Time. Die Idee: Wir senden Nachrichten ins All und warten live auf Antwort. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich bin richtig neidisch, dass ich nicht darauf gekommen bin ...

Meier: Natürlich findet es nicht jeder so toll, von Ihnen auf den Arm genommen zu werden. Wer ist am empfindlichsten?

Kalkofe: Die Erfahrung zeigt: Wenn man etwas gegen die Flippers macht, kann man sicher sein, dass man beschimpft wird. Ich bekomme oft Beschwerdebriefe. Einer schrieb mir: „Sie sehen neben den Flippers aus wie ein Schwein neben drei Eichen, aber was stört es die Eichen, wenn sich ein Schwein daran reibt?“ Toll. Find’ ich sehr kreativ.

Meier: Sie sagen: „Wäre das deutsche Fernsehen ein Pferd, man hätte es längst erschossen!“ Ist denn gar nichts mehr zu retten? Oder wird’s noch schlimmer?

Kalkofe: Der Gnadenschuss wäre mehr als fällig. Die Sender haben kein Interesse mehr, Unterhaltung überhaupt vorzutäuschen. Vor 15 Jahren gab es wenigstens noch den Versuch, Unterhaltung zu machen. Und heute? Ich möchte zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herumrennen, aber: Wir können uns das alles nicht schön saufen. Und es wird noch schlimmer.

Interview: Dimitri Taube (Meier 11/2009)
Info: kalkofe.de

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