Dass er diesen Job übernommen hat, liegt in der Logik der Sache. Da waren die Schulden, da war der Alkohol, da war das Skandälchen mit der Publikumsbeschimpfung in der Ex-DDR: Down and out auf’m Hausboot. Aber Gunter Gabriel hat ja jedem erzählt, dass er mal mit Johnny Cash im Studio war. Geistesverwandtschaft, Baby! Und so wie Cash gegen Ende seiner Karriere und mit Hilfe von Rick Rubin noch mal kredibel wurde, versucht Gabriel jetzt diese Position in Deutschland zu besetzen. Ein alter Mann, dem sein Lebenswandel tief ins Gesicht gekerbt ist, hält Rückschau, voller Sentiment und auch Ressentiments. Wie Cash covert Gabriel, manchmal setzt er einen Text aus eigener Feder hinzu: Aus Radioheads „Creep“ wird dann ein bitteres „Ich bin ein Nichts“, desweiteren covert er Ideal („Blaue Augen“), Peter Fox („Haus am See“) und David Bowie („Heroes“). Alles mit einer Haltung zwischen Grandezza und Chuzpe – und mit einer Extraportion Stolz. Mehr als ein paar erstaunte Feuilletons werden wohl nicht dabei rumkommen. Aber vielleicht brauchen Trendchecker ja eine Vaterfigur, dessen Texte sie auch mal verstehen. Dann könnte noch was gehen für Gunter. (Warner) UK 10/2009




