Agenten-Satire von Chuck Palahniuk

Der Name Chuck Palahniuk wird zwar nicht jedem ein Begriff sein, der Titel seines bekanntesten Werks dafür jedoch umso mehr: Mit "Fight Club" und der gleichnamigen Verfilmung wurde der Autor über Nacht berühmt und zum Kultautor. Seither ist eine ganze Reihe von Publikationen erschienen, die alle ein bisschen wie "Fight Club" funktionieren: skurill-absurde Geschichte mit überraschenden Wendungen, die in einem bestimmtes Milieu der amerikanischen Gesellschaft spielen, das seziert, entblößt und entlarvt wird.

Auch "Bonsai" passt in diese Reihe, der gesellschaftskritisch sezierende Blick wird hier sogar noch verschärft. Die Geschichte wird aus der Perspektive von "Bonsai" erzählt. Das ist der Spitzname des jungen Agenten Nr. 67. Als Austauschschüler wird er in eine amerikanische Familie, die ein wenig an die Simpsons erinnert, eingeschleust. Als Schläfer eines nicht näher bestimmten totalitären Landes soll er mit anderen Agenten den verkommenen Westen von innen heraus zerstören. Diese perfekt ausgebildete kleine Killermaschine berichtet in Depeschen über ihre Erfahrungen. Sie sind in der Sprache des Feindes, die sie nicht vollständig beherrscht, verfasst. Dadurch wird der Lesefluss eingeschränkt, aber durch die sprachliche Verfremdung werden spitze Kommentare zur US-Lebensweise möglich. Ein in vielerlei Hinsicht krasses Buch!

[Simone Kraft]

* Chuck Palahniuk: Bonsai. Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz. Manhattan. 320 Seiten. € 14.95

 

 

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