Der TV-Comedian Wigald Boning kann auf eine veritable Vergangenheit als Musik-Nerd zurückblicken. In den 80er Jahren traktierte er die oldenburgische Provinz mit No-Wave-Experimenten. Mit “Jet Set Jazz” erfüllt er sich jetzt einen lang gehegten Traum. MEIER sprach mit ihm.
MEIER: Das ist ja wie bei den Beatles. Nach der Auflösung von Die Doofen sind die Protagonisten fast gleichzeitig mit ihren Soloalben wieder da!
Wigald Boning: Ulkig, nicht? Als ich mit meinem Album schon ziemlich weit war, traf ich Olli in der Bar dieses Hotels, in dem ich jetzt auch gerade bin, und er sagte, dass er ziemlich weit mit seinem Album sei. Eigentümlich, wie parallel Leben manchmal verlaufen. Ich hab’ ein paar Stücke gehört, er geht in eine ganz andere Richtung mit seiner Musik.
MEIER: Aber beide Platten liegen in etwa gleich weit von Die Doofen entfernt, allerdings in entgegengesetzten Richtungen.
Boning: Stimmt! Aber beide Platten folgen, soweit ich das beurteilen kann, persönlichen Vorlieben. In meinem Fall eine geschmackliche Vorliebe, die ich besitze, seit ich mit 15 oder 16 zum ersten Mal Gil Evans gehört habe. Jetzt habe ich mit Roberto Di Gioia jemanden getroffen, mit dem ich das endlich ausleben konnte. Man überrascht sich selbst ja immer wieder. Was zunächst feststand, war der Titel des Albums: “Jet Set Jazz”. Der Begriff Jet Set ist ja heutzutage nicht mehr gebräuchlich, damit verbindet man automatisch die 60er Jahre, Luft- und Raumfahrt, Cocktail-Partys an der Riviera.
MEIER: Mit Gunter Sachs nach Acapulco.
Boning: Genau, womit sich ja auch ein Kreis zur französischen Filmmusik schlösse. Aber als wir angefangen haben, war der Ansatz anders. Da habe ich Roberto morgens um 9 Uhr angerufen, weil ich in der Nacht zuvor beschlossen hatte, nach all den Jahren wieder ein Album zu machen. Zwei Jahre zuvor hatte ich auf Robertos “Marsmobil”-Album ein Flötensolo gespielt. Damals hatte ich beschlossen: Wenn ich jemals wieder Musik machen sollte, mache ich das mit Roberto. Was wir genau machen wollten, wussten wir da überhaupt noch nicht.
MEIER: Als sich Barbara Schöneberger vor einiger Zeit als Sängerin versuchte, nahm sie die Reaktionen vorweg: “Jetzt singt sie auch noch!”
Boning: Das, was ich gerade mache, ist ja nicht nur sooo weit weg davon, wofür ich dem deutschen Fernsehzuschauer bekannt bin, sondern auch von so etwas wie den Charts, das gibt es ja gar nicht. Im Ernst: Ich bin darauf vorbereitet, dass es überhaupt keine Reaktion gibt.
Interview: Ulrich Kriest - aus der MEIER Ausgabe Februar 2009




