Einfach mal passieren lassen

Triband sind Pop, aber auch Jazz. Schlagzeuger Tommy Baldu über Grenzen, die keine mehr sind.

Triband ist die jazzaffine, aber grundsätzlich eklektische Band des Produzenten, Songschreibers und ehemaligen Schlagzeugers von Laith Al-Deen, Tommy Baldu. Das neue Album “2So Together” platzt vor Melodie-, Arrangement- und Produktions- ideen aus allen Nähten. MEIER hat Baldu (auf dem Foto ganz links) interviewt.

MEIER: Ist Triband eigentlich noch Jazz? Oder doch eher Pop für die Lounges dieser Welt? 
Tommy Baldu: Mit Lounge haben wir gar nichts am Hut. Wir versuchen, eine “starke” Musik zu schreiben. Jazz bedeutet für uns die Freiheit, möglichst viele Elemente und Einflüsse zu verschmelzen. Wir kommen ja alle aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

MEIER: Welche Richtungen sind das?
Baldu: Unser Gitarrist Sebastian Studnitzki kommt vom Jazz, ich komme von der Popmusik, Bassist Michael Paucker ist ausgewiesener Indie-Fan, und unsere Sängerin Sandie Wollasch kommt aus der Singer/Songwriter-Ecke. Wir planen das nicht, aber wir schreiben alle unsere Songs gemeinsam. Die Musik passiert einfach, wenn wir zusammensitzen. Und auch unser Sound.

MEIER: Aber noch mal zum Jazz: Bei Triband ordnen sich doch die instrumentalen Passagen, die Improvisationen, dem Song unter, oder?
Baldu: Absolut richtig! Der Song selbst leitet uns beim Aufnehmen und eigentlich auch schon beim Schreiben. Wenn man die Stimmung eines Songs erkannt hat, dann ist es keine Frage mehr, ob man da noch ein Solo reinbaut oder nicht.

MEIER: Live klingen Triband wesentlich freier.
Baldu: Ja, live können wir Dinge ausprobieren und uns auch aus dem Fenster lehnen. Außerdem entwickeln sich die Songs auch noch einmal im Verlauf von mehreren Konzerten. Da gibt es dann auch die Freiheit, ein Solo zu verlängern oder auch eins einzubauen. Die Zeiten, in denen es darum ging, den Studiosound eins zu eins live zu reproduzieren, sind vorbei. Wir sind eine Band, die sich bewegen will.

MEIER: In Mannheim spielt Triband im Rahmen der Konzertreihe “Jazz Today” mit der phänomenalen Bassistin Esperanza Spalding. Könnte es da zur Jam-Session kommen?
Baldu: (lacht) Ja, wir sind da natürlich total offen. Wir haben Esperanza Spalding bis jetzt noch nicht kennen gelernt, aber eine musikalische Begegnung ist geplant, und wir freuen uns sehr, mit ihr auf Tour zu gehen.

MEIER:Katie Melua, Norah Jones, Diana Krall – ist das, was man heute Jazz nennt, nicht eigentlich nur Pop für Erwachsene?
Baldu: Das sehe ich genauso: Auf der einen Seite gibt es Chartsmusik, auf der anderen Seite Musik mit Geschmack, die bei Jazz eingeparkt wird. Wenn man ein Hardcore-Jazz-Fan ist, wird man sich darüber vielleicht ärgern. Aber andererseits bedeutet Jazz heute vielleicht, dass die Musik Anspruch und eine gewisse Nachhaltigkeit besitzt. Wer heute ein Konzert der Reihe “Jazz Today” besucht, er- wartet vielleicht keinen “richtigen” Jazz mehr, aber dafür Mutiges, Wertiges oder Ungewöhnliches. Wir machen keinen Jazz im traditionellen Sinne, aber wir spielen häufig in Jazzclubs – und meistens mit Erfolg. 

Interview: Ulrich Kriest – aus der Ausgabe MEIER März 2009

30.3. Alte Feuerwache, Mannheim, 20 Uhr, ab € 24.– 

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