Wer den Freitod sucht, bricht aus der Logik des Lebens aus. Sagt Jean Améry. Die Figuren in Hans Pleschinskis neuem Roman “Ludwigshöhe” haben alle einen Punkt erreicht, an dem sie aus der Logik ihres Lebens ausscheren möchten. So finden sich gut ein Dutzend Lebensmüder in einer Villa am Starnberger See zusammen – eben auf der Ludwigshöhe, in einem Hospiz ganz eigener Art. Die Hospizleitung haben drei Geschwister inne, und ihre Sterbehilfe-Dienstleistung hat nichts mit Nächstenliebe zu tun, sondern ist reines Mittel zum Zweck: Onkel Roberto nämlich hat den Dreien ein imposantes Erbe vermacht, allerdings unter der perfiden Auflage, dass sie erst einmal Gutes tun müssten und die Villa auf der Ludwigshöhe den Ungetrösteten und Jenseitssüchtigen öffnen sollten. Wo aber die Todessehnsucht am größten, ist die Rettung am nächsten: In dieser liebenswerten Gesellschaft der Entmutigten entsteht ein Zaudern vor dem letzten Schritt, und die Geschwister sehen ihr Erbe in weite Ferne rücken. Hans Pleschinski ist ein wundersam schwebender, ironischer Roman gelungen. [Ulrich Rüdenauer 03/09]

Hans Pleschinski: Ludwigshöhe. Verlag C.H. Beck. 579 Seiten. €24.90

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