Längst wurde die Neue Deutsche Welle zum Volkswagen der Popkultur: Sie läuft und läuft und läuft. Allerdings nur ein bestimmter Teil der NDW, wie jetzt eine Revue beweist, an der Haudegen wie Markus, Fräulein Menke und Hubert Kah mitwirken. MEIER klingelte bei Kah (auf dem Foto ganz links) an.
MEIER: Hallo, Hubert Kah?
Hubert Kah: Oh, kannst du in fünf Minuten nochmal anrufen. Ich komme
gerade vom Klo und muss mir noch die Hände waschen.
MEIER: Jetzt aber! Wir sollten ein wenig über ein “aufwändig inszeniertes
Bühnenspektakel” reden: “Ich will Spaß!”
Kah: Du darfst die Revue, hinter der der Musiker Markus steckt, aber
bitte nicht mit dem Musical “Ich will Spaß!” verwechseln, das im Oktober
in Essen Premiere hatte.
MEIER: Worum geht es denn bei der Revue?
Kah: Das Konzept war, die stärksten NDW-Titel zu nehmen und sie live
mit einer fantastischen Band in unterschiedlichen Themenblöcken von
romantisch über witzig bis extravagant aufzuführen. Das Ganze ist ein
Spektakel. Die NDW soll aus dieser Bierzeltecke herausgebracht und
als Premiumprodukt präsentiert werden, mit hochwertigen Musikern.
Die Songs werden von Musicalstars interpretiert, dazwischen sorgen
Originalkünstler für ein wenig Schweiß in der Eleganz.
MEIER: Was singst du?
Kah: Ich bin für den Sehnsuchtsblock zuständig, weil ich Songs wie
“Sternenhimmel”, “Engel 07” oder “Wenn der Mond die Sonne berührt”
im Repertoire habe. Da wird die Bühne mystisch ausgeleuchtet und so.
MEIER: Wie stehst du denn als Künstler, der ja durchaus eine Gegenwart
hat, zu dieser Nostalgie-Revue? Auf deiner Webseite ist von einer
neuen Single die Rede, auch, dass du an einem neuen Album arbeitest.
Das hättest du doch nun dort auch präsentieren können.
Kah: Ich bin da gar nicht gierig darauf. Der Star ist die Show. Ich begebe
mich da als Gaststar hinein – und gehe wieder hinaus. Natürlich habe
ich auch meine eigene Karriere, wo ich das Beste zu geben versuche.
MEIER: Wie ist denn die Haltung der Revue zur NDW? Augenzwinkernd
ironisch oder rein nostalgisch?
Kah: Es gibt keinen Grund, sich lustig zu machen, weil die Stücke ja
kompositorisch Bestand haben. Wenn die Stücke von einem Orchester
gespielt werden, zeigt sich erst richtig, was für ein Feuerwerk an Qualität
damals in kürzester Zeit abgebrannt worden ist. Das sind Evergreens,
die werden heute noch in Diskotheken gespielt.
Interview: Ulrich Kriest - aus der MEIER Ausgabe Januar 2009.




