Es sind die letzten Wochen des Jahres 2000, als Maria im argentinischen Grasland eine Dokumentation über Pinguine dreht und ihre Familie, zu der noch Johan und Sohn Philip gehören, sich entzweit. “Wann hatte es angefangen, schiefzugehen?” fragt Maria sich, und so blendet der Roman zurück zum Beginn der Beziehung von Maria und Johan, zurück in die 80er Jahre. Maria ist damals eine reiche Erbin, die ihren Status verwünscht, weil der sie in ihren Kreisen zur Außenseiterin macht. So investiert sie in Filme, ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste. Auf einem Festival begegnet sie dem Flamen Johan van Eyck, der “Speerspitze des Jungen Deutschen Films”. Als Produzent und Verleiher setzt er sich vehement für den unabhängigen deutschen Film abseits des Mainstream ein.

In 13 Kapiteln, die jeweils Orts- und Zeitwechsel markieren, führt die Autorin die geschäftliche und private Beziehung von Maria und Johan vor. Von der Berlinale über die Geburt und Entwicklung des gemeinsamen Kindes, Filmdreharbeiten und überzeichnete Familientreffen geht es dabei nach Belgien, an die Mosel und zu den Pinguinen in Patagonien. Mit feiner Ironie und gröberen satirischen Strichen zeichnet Pia Frankenberg, die in den 80er Jahren selbst Filmregisseurin war (“Nicht nichts ohne dich”, “Brennende Betten”), eine Kreativen-Ehe, die tragikomisch scheitert. Seine besonderen Stärken hat “Der letzte Dreh”, ihr vierter Roman, in den detailreichen und witzigen Schilderungen der Filmarbeit. Ihre eigene Beteiligung am Filmgeschäft und die Einblicke, die sie nahm, kamen Pia Frankenberg hier offensichtlich sehr zugute.

Pia Frankenberg: Der letzte Dreh. Rowohlt Berlin. 256 Seiten. €18.90

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