Latino-Saga von Junot Diaz

Das fukú ist kein Spaß. Es ist "mehr als leeres Gerede, mehr als eine Geistergeschichte". Das fukú ist ein böser Fluch und die Befreiung davon ist ein seltener Segen. Am Ende von "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" wird Oscar den Fluch, der so lange über seiner Familie lag, gebrochen haben. Überleben wird er seine Heldentat nicht. Dies zu verraten, ist kein Verbrechen. Oscars Tod steckt bereits im Titel. Und es ist ja auch nicht seine Geschichte allein, von der uns der 1968 in der Dominikanischen Republik geborene, seit seiner Kindheit in New York lebende Autor Junot Díaz erzählt.

Der Roman zieht seine Kraft und literarische Originalität aus der Bewegung. Er springt durch die Zeiten, wechselt die Perspektiven, verbindet und trennt Kulturen. Er erzählt in einer rasanten, leidenschaftlich schnoddrigen und mit spanischen Worten angereicherten Sprache die Familiengeschichte Oscars. Oscar selbst, bereits in jungen Jahren ein von allen gehänselter Fettkloß, verzieht sich schüchtern in die Nerd-Welten der Sciencefiction und Fantasy. Seine Schwester Lola ist attraktiver und tougher – wirklich glücklich ist auch sie nicht. Beide leiden unter dem harten Regime ihrer Mutter.

Die Familie lebt in New Jersey, doch ihre Wurzeln hat sie in der Dominikanischen Republik. Der Autor schließt ihre fiktive Geschichte kurz mit der wahren des Terrorregimes Trujillos. Dass diese Saga einer Latino-Familie trotz ihrer abgründigen Härten voller Lebensenergie brodelt und vor liebenswerten Schrägheiten bald überschwappt, ist nicht das geringste Verdienst des Autors.

* Junot Díaz: Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao. Aus dem Spanischen von Eva Kemper. S. Fischer. 384 Seiten. EUR 19.95

[Michael Saager]

Kommentieren

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


Kann ich nicht lesen, neues Bild bitte.


Kommentare werden umgehend geprüft und erst dann freigeschaltet.

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Teilen |