über die zufällige Zwangsläufigkeit des Scheiterns

“Empörung” beginnt im Jahr 1951, im zweiten Jahr des Koreakrieges zu einer Zeit, in der Traditionen und kleinbürgerliche Konventionen zu bröckeln beginnen, aber noch so fest sind, dass es für einen jungen Menschen einiger Auflehnung bedarf, um sich gegen sie zu stemmen. Marcus Messner, der 18-jährige Ich-Erzähler, Sohn eines koscheren jüdischen Metzgers aus New Jersey, ist einer, der bei aller Zielstrebigkeit möglicherweise etwas zu viel Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit an den Tag legt. Hinzu kommt die für dieses Alter typische Unerfahrenheit des Lebens.
Marcus flieht das Elternhaus, die erdrückenden Ängste des Vaters vor allem, und schreibt sich in ein weit entferntes christliches College ein. Dort hat er es  nur auf Ruhe zum Lernen abgesehen, um Bestnoten zu erreichen, die ihn vor der Front bewahren sollen. Rasch aber stößt er auf so viele Widerstände, dass dieser Plan misslingen muss. Er hasst die erzieherische Gängelei im College, lehnt seine Kommilitonen ab, weiß nicht, wie er mit ersten sexuellen Entdeckungen umgehen soll.
Mit der Zwangsläufigkeit einer Tragödie führen persönliche Eigenschaften und Zeitumstände, vor allem aber banalste Zufälle auf das Schlachtfeld des Krieges. Hätte Marcus anders handeln sollen? Man möchte meinen: Nein! Strippenzieher Roth fügt ans Ende einen Kommentar bitterer Ironie: Die kleinen, vermeintlich unwichtigen Entscheidungen sind es, die mitunter die schwerwiegendsten Folgen zeitigen.

[Michael Saager - 04/2009]

Philip Roth: Empörung. Hanser Verlag.
280 Seiten.
€ 17.90

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