über das Verschwinden in Zeiten der Diktatur

Teo ist zu groß für diese Welt, also wäre er am liebsten unsichtbar. Dann trifft er im Süden Argentiniens allerdings auf eine schöne Frau, verliebt sich unsterblich und genießt sein Leben, obwohl über Argentinien weiterhin dunkle Wolken der Diktatur schweben. Sie heißt Patricia, nennt sich Finnegan und hat wie Teo diese Neigung, gelegentlich nicht in Erscheinung treten zu wollen. Also bricht sie beim geringsten Anzeichen von Gefahr die Zelte ab. Ihrer kleinen Tochter Miranda gefällt das gar nicht. Im Moment allerdings geht es ihr ganz gut. Sie lebt mit ihrer Mutter schon eine ganze Weile in Santa Brígida. Miranda hört Sphärenmusik und ist auch ansonsten eine engelhafte Lichtgestalt.
Einen gutmütigen Hünen wie Teo hätte man gerne an seiner Seite, obwohl Riesen wie er nur bei Autoren wie Marcelo Figueras vorkommen. Er landete mit “Kamtschatka” einen Bestseller, der 2003 für den Oscar zum besten ausländischen Film nominiert wurde. Damals ging es Figueras um das Argentinien im Jahr 1976 und die Flucht einer Kleinfamilie vor den Häschern der damaligen Militärdiktatur. Mit seinem neuen Roman begibt er sich in die unwirklich anmutende Zwischenzeit kurz nach der Militärdiktatur, in der es kurz so aussah, als würden die verantwortlichen Generäle zur Verantwortung gezogen. Das Land lebte allerdings nicht zuletzt deshalb weiter in Schrecken und Angst, weil die Mörder und Folterer von gestern die Spuren ihrer Greueltaten verwischen wollten.

[Jürgen Berger - 04/2009]

Marcelo Figueras: Das Lied von Leben und Tod. Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg.
Nagel & Kimche. 520 Seiten. € 21.50

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