Auf der Linie - Slacklining im Delta
Kopf ausschalten und los? So einfach ist es leider nicht. Zumindest am Anfang. Beim Slacklining heißt es erstmal, Zähne zusammenbeißen und üben, üben, üben. Spaß macht es trotzdem. Und wie.
Dies ist eine Prognose. Eine Prognose für den Sommer. Diesen Sommer, in dem wir nur vier Dinge brauchen werden zum Glücklichsein: eine Wiese, zwei Bäume, ein Kletterband. Wir werden das Kletterband spannen. Wir werden darauf einen Fuß vor den anderen setzen. Wir werden fallen. Ganz sicher. Es wird wehtun. Manchmal. Oft. Wir werden trotzdem aufstehen und es erneut versuchen. Immer wieder. So lange, bis es klappt mit dem Balancieren, dem Slacklining. Vor, zurück, zurück, vor. Vielleicht hüpfen wir sogar mal zwischen zwei Schritten. Lächeln werden wir sicher.
Dies ist aber auch eine Warnung. Denn, wenn wir ehrlich sind: Das klingt nicht nur alles ziemlich anstrengend, sondern ist es auch. Vor allem Anfänger werden dem hippen Slacklining erst einmal nicht viel mehr abgewinnen können als ein paar blaue Flecken. Erst einmal. Ja, Slacklining heißt auch durchhalten, Zähne zusammenbeißen. Beim Wellenreiten, Skaten oder Klettern bekommt man ja auch nichts geschenkt, wird später, wenn man‘s kann, aber von allen bewundert. Und so viel sei versprochen: Erste Erfolge gibt es zur Belohnung beim Slacken schon nach kurzer Zeit.
„Erfunden“ haben den Spaß Kletterer im Yosemite Nationalpark in den USA. In den 1960er Jahren verbrachten sie zunächst die Regentage damit, auf Absperrketten zu balancieren. Irgendwann hörte der Regen auf, sie aber blieben auch bei Sonnenschein auf dem Seil, das gar kein echtes war. Zwanzig Jahre später, so erzählt man sich den Mythos, kamen dann Adam Grosowsky und Jeff Ellington auf die Idee, statt auf Absperrketten auf ihrem zwischen zwei Bäumen aufgezogenen Klettergurt zu balancieren. Sie spannten das Band jedoch nicht straff, wie für einen Seiltänzer, sondern locker. Das bedeutete: Sie mussten auf dem Gurt bei jedem Schritt aufs Neue ihren Balancepunkt finden. Slacklining war geboren.
Mittlerweile ist Slacklining (englisch „slack“ = lasch, locker; englisch „line“ = Band) ein Selbstläufer. Man sieht Slackliner Hand- und Kopfstand oder Salto auf der Line machen. Es wird Einrad auf ihr gefahren, Breakdance getanzt oder jongliert. Sie wird zwischen Bäumen gespannt, über Wasser und hundert Meter tiefe Schluchten. Nichts ist unmöglich beim Slacklining. Je verrückter, desto besser, scheint das Motto zu sein. Grundlage bleibt dabei stets die locker gespannte Line, die heute meist aus Nylon und im gut sortierten Sportfachhandel in verschiedenen Breiten und Stärken erhältlich ist.
Slacklining sei etwas für Körper und Geist, sagen die, die es betreiben. Ein Widerspruch? Nein. Das Erste, was ein Slacker machen sollte, sobald er auf der Line steht, ist schließlich, den Kopf ausschalten. Wer darüber nachdenkt, was er gerade tut, fällt in den meisten Fällen. Wer sich von seiner Angst übermannen lässt, auch. Dem Kopf eine Pause gönnen, die Konzentration schärfen und den Körper beherrschen, darum geht es beim Slacklining also. Und ums Spaß haben, am besten in der Gruppe. Jeder darf mal, jeder lernt vom anderen. Schritt für Schritt. So klappt’s dann irgendwann vielleicht auch mit dem Salto. Mit dem Glücklichsein bestimmt.
Nina Haas
außerdem in DELTA AKTIV Sommer 2010
Fit fürs Jahr
Was, schon wieder ein Jahr rum? Nein, keine Panik. DELTA AKTIV erscheint 2010 nur bereits im April. Weshalb wir kurzerhand auch schon den Sommer ausrufen und die neuesten Outdoor-Funsportarten Sepak Takraw, Slacklining und Standup-Paddling vorstellen. Aber nicht nur: In Aroha, Indian Balance und Contemporary kann man sich das ganze Jahr über versuchen. Wir wollen schließlich nicht, dass Sie es sich auf der Couch allzu gemütlich machen.
Und für den besseren Überblick hier mal unser Inhalt:









