Leseprobe Mai 2011 - Kreatives Austoben

Leseprobe - aus Ausgabe Mai 2011

Neue Kreativwirtschaftszentren / In Mannheim und Heidelberg gibt es bald mehr Platz zum Austoben für Kreative. Beide Städte planen derzeit den Neubau oder Umbau von Kreativwirtschaftszentren. Während Heidelberg noch nach einem Konzept in der Hebelstraße sucht, hat Mannheim jetzt die Sieger des Architekturwettbewerbs für den Neubau im Jungbusch gekürt. Ein Zwischenstand.

Designer, Grafiker, Fotografen und andere Künstler sollen mit dem Kretivwirtschaftszentrum (KWZ) im Mannheimer Szene-Stadtteil Jungbusch künftig einen Raum zum Arbeiten und Präsentieren erhalten. Entstehen soll das KWZ auf dem Gelände der Alten Kaufmannsmühle am Verbindungskanal. Dadurch muss das denkmalgeschützte ehemalige Yaman-Gebäude in das neue Bauwerk integriert werden. Nur: Wie soll das neue KWZ aussehen? Auch nach elfstündiger Diskussion konnte sich die Jury, bestehend aus Vertretern der Stadt Mannheim, der Anwohner und der Hafenbetriebe, nicht zwischen zwei Konzepten entscheiden. Deshalb gibt es zwei Sieger, die nach einer Überarbeitungsphase erneut gegeneinander antreten müssen. Einer der beiden SiegerVorschläge stammt von dem Stuttgarter Architekturbüro Hartwig Schneider, der andere von den Mannheimer Architekten Arge Motorplan / Motorlab, die schon die benachbarte Popakademie und den Musikpark gebaut haben.

Gemeinsam haben beide Entwürfe lediglich, dass die alte Fabrikhalle in ihrer jetzigen Höhe erhalten bliebe und einen eigenständigen Teil des KWZ bilden würde. Unterschiedlich wurde die Kombination aus Altund Neubau gelöst. Im Entwurf von Hartwig Schneider soll parallel zu der alten Halle ein siebenstöckiges Gebäude aus Sichtbeton entstehen. Zwischen beiden Häusern liegt ein gemeinsamer Vorplatz, der den Durchgang zum Wasser offen hält. Damit soll eine Art Gegenpol zum Quartiersplatz auf der anderen Seite des Neubaus entstehen. Schneider sieht für beide Plätze unterschiedliche Nutzergruppen: „Auf dem Quartiersplatz die Jüngeren, Hip Hopper und Skater. Die Älteren auf dem neuen Platz.“

Motorplan/Motorlab will hingegen den lichtdurchfluteten Neubau aus Glas und Stahl direkt an die alte Halle angliedern. Das sechsstöckige Hauptgebäude läge dann am Quartiersplatz. Mit dem Yaman-Gebäude würde es über einen eingeschossigen Mittelteil mit Dachterras- se verbunden werden. Die Terrasse soll Raum für Veranstaltungen bieten. Die Stockwerke des Hauptgebäudes wären verschoben gestapelt, so dass die entstehenden Vorsprünge wie Vordächer wirkten.

Ein weiterer Anspruch der Stadt an die Entwürfe war die Unterbringung einer Städtischen Galerie. Die würde sich in beiden Fällen in der ehemaligen Fabrikhalle befinden. In den höheren Neubauten sollen dagegen Büros und Showrooms untergebracht werden. Wann sich die Jury endgültig für einen der beiden Entwürfe entscheidet, steht noch nicht fest. Das neue KWZ im Jungbusch soll 12 Millionen Euro kosten und bis 2014 fertig gestellt sein.

Beim geplanten Kreativwirtschaftszentrum in Heidelberg sollte es eigentlich schneller vorangehen. Immerhin existiert schon das Gebäude für das Colabor 01 in der Hebelstraße 18. Ein spruchreifes Konzept für die 200 Quadratmeter große Nutzfläche steht jedoch noch nicht fest. Unklar ist nämlich noch, wie das Colabor 01 von innen aussehen soll. Eine Jury, die sich hauptsächlich aus Mitarbeitern der Stadt Heidelberg zusammensetzt, hat sich für die Arbeitsgemeinschaft „Subkultureller Fortschritt“ als Betreiber entschieden. Die AG besteht aus Pascal Baum- gärtner und Patrick Forgacs. Die beiden wollen sich nun mit ihrem Mit- bewerber Michael Geiße abstimmen, um eventuell ihre Konzepte sogar zu kombinieren. „Sie wollen sich überlegen, inwiefern sich ihre Ideen ergänzen und Synergieeffekte entstehen können“, fasst der Beauftragte für Kultur- und Kreativwirtschaft Frank Zumbruch den Stand der Dinge zusammen.

Entstehen soll das Colabor 01 in der Hebelstraße, in einer ehemali- gen Abfüllhalle für Industriegase. Diese wurde zum Abriss freigegeben. „Eine gewerbliche Nutzung des Areals wird es aber erst in drei Jahren geben“, erklärt Zumbruch. Daher habe er sich das Grundstück für den Zeitraum des Leerstandes gesichert, um es der Kreativwirtschaft gegen eine geringe Miete zur Verfügung zu stellen. Denn in der Stadt am Neckar gebe es einen hohen Bedarf an Räumen für Kreative.

Das Colabor 01 könnte seiner Meinung nach eine bunte Mischung aus verschiedenen Bereichen der Kreativwirtschaft werden. Im Keller sind beispielsweise zwei Räume vorhanden, die sich zu einem Tonstudio umfunktionieren ließen. Die größeren Zimmer mit hohen Decken würden sich für Künstlerateliers eignen.

Außerdem soll es Gemeinschaftsräume und Co-Working-Spaces ge- ben. Denn grundsätzlich ist es Ziel des Colabors, so Zumbruch, dass „Kreative, die im stillen Kämmerlein arbeiten, mal raus kommen“, sich vernetzen und gegenseitig inspirieren.

Julia Link / Fotos: Stadt Mannheim (2), Eric Carstensen

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