Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Die Sprache macht bisweilen große Unterschiede: "Die Erde war in-den All=Weiten der Galaxis ohnehin der letzte Planet, auf dem solch organisch=fossile Lebensformen noch existiert hatten, 1 Nachzügler." Oder: "Meine Augen sahen von der-Welt & von ihrem harten Licht Anderes....., als du mit deinen Kindsaugen.“ Der so schreibt, so lyrisch und eigensinnig, scheinbar willkürlich, ist der 1953 in Ostberlin geborene Schriftsteller Reinhard Jirgl. In "Die Stille" geht um den Tod, die Einsamkeit, das Nicht-mehr-Leben-bloß-noch-Existieren. Um die Stille eben. Und natürlich um viel mehr als sie. Jirgl, der zu jener Autorengeneration zählt, die in der DDR der 80er experimentelle Formen ausprobierte,... mehr
Das Innerste konsequent nach außen stülpen. Wenn Autobiografien so etwas gelingt, werfen Kritiker mit Adjektiven wie “schonungslos” und “radikal” nur so um sich. Doch sollte dies nicht der normale Zweck einer Autobiografie sein? Dass der Autor sich möglichst konsequent aufschreibt und dabei so gut es geht Rechenschaft über sich ablegt? Tracey Emin, berühmte englische Künstlerin britisch-zypriotischer Abstammung und 1963 in London-Croydon geboren, hat es in ihrem Buch “Strangeland” getan. Mit den knappen, glücklicherweise nicht zu knappen schriftstellerischen Ressourcen, die ihr, deren künstlerisches Oeuvre bekanntlich von roher Offenheit ist, zur Verfügung stehen. Emins Sprache ist... mehr
Es gibt eine Literatur, die etwas Gutes will und genau deshalb nichts erreicht. Juli Zeh entwickelt sich zu einer Spezialistin für solche Fälle. In ihrem neuen Buch entführt sie uns in die Mitte des 21. Jahrhunderts und wir landen in einer prächtigen Gesundheitsdiktatur. Hier sind richtige Ernährung und sportliche Betätigung Pflicht. Jedes Verhalten gegen den "Gesunden Menschenverstand" wird mit Verwarnungen und Strafen geahndet. Die Nachbarn schnüffeln der kleinsten Spur von Tabakgeruch hinterher, Ärzte kontrollieren die Blutwerte und Juristen sorgen für Ordnung. Eigentlich klar, dass Mia Holl da nicht mehr mitmachen will. Sie raucht eine Zigarette und kommt ziemlich schnell in den... mehr
“Was ist daran romantisch, lebendig begraben zu sein? Langsam alt zu werden?” schreibt Stewart O’Nan über die Bewohner von Kingsville, einer amerikanischen Kleinstadt am Erie-See. Diese triste Prognose erfüllt sich für Kim nicht, und trotzdem ist das keine gute Nachricht. Die 18 Jahre alte High-School-Absolventin verschwindet, bevor ihr Traum vom neuen Leben weit weg von der Provinz wahr wird. So könnte ein Krimi beginnen, doch für den 1961 geborenen Autor ist das Verbrechen nur eine Nebenhandlung. Der Leser erfährt kaum etwas über die Polizeiarbeit, über Verdächtige oder Zeugen, und dennoch ist dieser Roman so spannend wie ein Thriller. Was der Autor zeigt, sind Abgründe der... mehr
“Empörung” beginnt im Jahr 1951, im zweiten Jahr des Koreakrieges zu einer Zeit, in der Traditionen und kleinbürgerliche Konventionen zu bröckeln beginnen, aber noch so fest sind, dass es für einen jungen Menschen einiger Auflehnung bedarf, um sich gegen sie zu stemmen. Marcus Messner, der 18-jährige Ich-Erzähler, Sohn eines koscheren jüdischen Metzgers aus New Jersey, ist einer, der bei aller Zielstrebigkeit möglicherweise etwas zu viel Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit an den Tag legt. Hinzu kommt die für dieses Alter typische Unerfahrenheit des Lebens.Marcus flieht das Elternhaus, die erdrückenden Ängste des Vaters vor allem, und schreibt sich in ein weit entferntes christliches... mehr
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