Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Experimentelle Literatur steht in den letzten Jahren recht selten im Fokus. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass trotzdem Titel auch außerhalb der Welt der Kleinverlage veröffentlicht werden. So wie das Debüt von Barbi Markovic. Die studierte Germanistin aus Belgrad konzipiert ihren Roman "Ausgehen" als einen Remix von Thomas Bernhards "Gehen" von 1971. Sie versteht sich dabei als DJane, die ein fertiges Musikprodukt aufnimmt und bearbeitet, um ein neues Stück zu gestalten, dem dem Ausgangsmaterial huldigt. Markovic überträgt das Bernhardsche Gehen in Wien auf das Ausgehen im Nachtleben von Belgrad. Dafür wendet sie eine schlüssige Methode und einen eher beiläufigen Trick an. Dadurch,... mehr
Fünf nur lose miteinander verknüpfte Geschichten erzählen von Alice und sterbenden oder verstorbenen Männern. Ihr Ex-Freund Micha dämmert unter Morphium dem Tod entgegen. Conrad, vielleicht ein väterlicher Freund, befällt überraschend ein tödliches Fieber, als ihn Alice am Gardasee besucht. Richard in Berlin stirbt so etwas wie einen angekündigten Tod. Alices Onkel Malte hat sich vor ihrer Geburt das Leben genommen. Zuletzt verliert Alice ihren Lebensgefährten Raymond. Über diese Männer und Alices Beziehungen zu ihnen erfährt man kaum etwas. Hermann spart es aus, vielleicht um die Lücke zu zeigen, die der Tod hinterlässt. Alice versucht ihnen in Erinnerungen nahe zu bleiben, und so handelt... mehr
Pop-Musik ist ja, so paradox es auch erscheint, aus den Massenmedien verschwunden. Im TV findet die Kunstform, die in den letzten 40 Jahren maßgeblich zur individuellen Sozialisation der Gesellschaft beigetragen hat, schlichtweg nicht statt. Das Radio reduziert sie auf Dudelfunk und Werbejingle. So hat sich das Reden und Schreiben darüber auch in Feuilletons, Fachzeitschriften und Cultural-Studies-Reader verflüchtigt. Mit "Lost and Sound" hat der Journalist Tobias Rapp einen neuen Anlauf genommen, um das Genre Popdiskurs wiederzubeleben. Und es ist ein gelungener Wurf. Formal schmiegt sich das Buch dabei ganz an seinen Gegenstand. Es beginnt mit einem Ausgehwochenende in Berlin, das am... mehr
Das fukú ist kein Spaß. Es ist "mehr als leeres Gerede, mehr als eine Geistergeschichte". Das fukú ist ein böser Fluch und die Befreiung davon ist ein seltener Segen. Am Ende von "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" wird Oscar den Fluch, der so lange über seiner Familie lag, gebrochen haben. Überleben wird er seine Heldentat nicht. Dies zu verraten, ist kein Verbrechen. Oscars Tod steckt bereits im Titel. Und es ist ja auch nicht seine Geschichte allein, von der uns der 1968 in der Dominikanischen Republik geborene, seit seiner Kindheit in New York lebende Autor Junot Díaz erzählt. Der Roman zieht seine Kraft und literarische Originalität aus der Bewegung. Er springt durch die... mehr
Mit den jungen Talenten ist es im deutschen Literaturbetrieb ja so eine Sache: Erst feiert die gesamte Kritik einen Debütanten oder eine Debütantin als große Hoffnung, um dann beim zweiten oder dritten Buch ganz heftig zuzuschlagen und bitterste Enttäuschung zu verbreiten. Wie viele Talente auf diese Weise schon in eine üble Verkrampfung hineingetrieben wurden, möchte man gar nicht wissen. Benjamin Lebert gehört zum Glück nicht dazu. Sein vierter Roman hat noch immer diesen jugendlich-lockeren Erzählton und wirkt, von einigen kitschigen Ausrutschern abgesehen, richtig erwachsen. "Flug der Pelikane" besteht aus zwei Geschichten, die der 27-jährige Lebert aus zahlreichen Perspektivwechseln... mehr
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