Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Pop-Musik ist ja, so paradox es auch erscheint, aus den Massenmedien verschwunden. Im TV findet die Kunstform, die in den letzten 40 Jahren maßgeblich zur individuellen Sozialisation der Gesellschaft beigetragen hat, schlichtweg nicht statt. Das Radio reduziert sie auf Dudelfunk und Werbejingle. So hat sich das Reden und Schreiben darüber auch in Feuilletons, Fachzeitschriften und Cultural-Studies-Reader verflüchtigt. Mit "Lost and Sound" hat der Journalist Tobias Rapp einen neuen Anlauf genommen, um das Genre Popdiskurs wiederzubeleben. Und es ist ein gelungener Wurf. Formal schmiegt sich das Buch dabei ganz an seinen Gegenstand. Es beginnt mit einem Ausgehwochenende in Berlin, das am... mehr
Das fukú ist kein Spaß. Es ist "mehr als leeres Gerede, mehr als eine Geistergeschichte". Das fukú ist ein böser Fluch und die Befreiung davon ist ein seltener Segen. Am Ende von "Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao" wird Oscar den Fluch, der so lange über seiner Familie lag, gebrochen haben. Überleben wird er seine Heldentat nicht. Dies zu verraten, ist kein Verbrechen. Oscars Tod steckt bereits im Titel. Und es ist ja auch nicht seine Geschichte allein, von der uns der 1968 in der Dominikanischen Republik geborene, seit seiner Kindheit in New York lebende Autor Junot Díaz erzählt. Der Roman zieht seine Kraft und literarische Originalität aus der Bewegung. Er springt durch die... mehr
Mit den jungen Talenten ist es im deutschen Literaturbetrieb ja so eine Sache: Erst feiert die gesamte Kritik einen Debütanten oder eine Debütantin als große Hoffnung, um dann beim zweiten oder dritten Buch ganz heftig zuzuschlagen und bitterste Enttäuschung zu verbreiten. Wie viele Talente auf diese Weise schon in eine üble Verkrampfung hineingetrieben wurden, möchte man gar nicht wissen. Benjamin Lebert gehört zum Glück nicht dazu. Sein vierter Roman hat noch immer diesen jugendlich-lockeren Erzählton und wirkt, von einigen kitschigen Ausrutschern abgesehen, richtig erwachsen. "Flug der Pelikane" besteht aus zwei Geschichten, die der 27-jährige Lebert aus zahlreichen Perspektivwechseln... mehr
Es wäre kein echter Boyle, wenn sich der 60-jährige amerikanische Großschriftsteller nicht etwas Besonderes überlegt hätte. Er erzählt die Wirkungsgeschichte des Mannes, der das Guggenheim-Museum in New York entworfen hat, nicht einfach anhand seiner bahnbrechenden Bauten. Er wählt vielmehr die private Perspektive und hangelt sich anhand von Frank Lloyd Wrights Lebensgefährtinnen an dessen Biografie entlang. Der 1869 geborene Wright sorgte nicht nur durch seine "organischen" Häuser für Aufsehen. Er kam wegen seiner Scheidungs- und Liebesaffären nicht aus den Schlagzeilen heraus. Nun treffen Frank Lloyd Wright, der Meister der natürlichen Form und T.C. Boyle, der Meister der... mehr
Die Sprache macht bisweilen große Unterschiede: "Die Erde war in-den All=Weiten der Galaxis ohnehin der letzte Planet, auf dem solch organisch=fossile Lebensformen noch existiert hatten, 1 Nachzügler." Oder: "Meine Augen sahen von der-Welt & von ihrem harten Licht Anderes....., als du mit deinen Kindsaugen.“ Der so schreibt, so lyrisch und eigensinnig, scheinbar willkürlich, ist der 1953 in Ostberlin geborene Schriftsteller Reinhard Jirgl. In "Die Stille" geht um den Tod, die Einsamkeit, das Nicht-mehr-Leben-bloß-noch-Existieren. Um die Stille eben. Und natürlich um viel mehr als sie. Jirgl, der zu jener Autorengeneration zählt, die in der DDR der 80er experimentelle Formen ausprobierte,... mehr
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