Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Wer die Bücher von Felicitas Hoppe zur Hand nimmt, findet sich auf dem wackligen Boden fantastischer Fiktionen – man gerät in ihren Texten in ein herrliches Schweben. Oft spielen ihre Geschichten in fernen Ländern oder auf Schiffen, meist sind ihre Figuren auf einer Reise und in Bewegung. Nun aber hat Hoppe einen märchenhaften Platz gefunden, einen kleinen Ort im Wallis, der ihr durch den Spycher Literaturpreis als Stipendiumsbleibe zugefallen ist. Und der eine bisher unerfüllte Sehnsucht nach Einsiedelei zur Blüte bringt, und zwar zur literarischen. Die Sprache lässt sich nämlich von der Sesshaftigkeit nicht zur Ruhe bringen: Es gibt auch weit entfernt von Berlin und zwischen malerischen... mehr
Julius Winsome ist einer dieser Holzhüttenbewohner im tiefsten Kanada. Sanft und abweisend zugleich. Naiv und wissend. Harmlos und gefährlich. Ein bisschen unwirklich. Ein Mensch, der von seinen Erinnerungen lebt und bisweilen sehr eigene, nur schwer nachvollziehbare Schlüsse zieht. Er ist niemand, mit dem man sich als Leser schnell anfreunden könnte, obwohl einem nicht viel anderes übrig bleibt – wir betrachten die Welt durch Julius' Augen. Seit dem Tod seines Vaters vor 20 Jahren lebt Julius fast vollständig zurückgezogen; allerdings umgeben ihn 3.282 penibel durchnummerierte Bücher, die Julius von seinem Vater geerbt hat. Und dann ist da noch Julius' Pitbullterrier Hobbes, den er so... mehr
Die Provokation dieses Buches war mindestens so groß wie sein Erfolg: In den USA dauerte es nach Erscheinen von "Portnoys Beschwerden" im Jahr 1969 nur wenige Monate, bis eine halbe Million Exemplare über die Ladentheke gegangen und die Filmrechte verkauft waren. Die Gründe für diesen Erfolg sind nicht schwer zu erraten: Eine solche Mischung aus Komik und Obszönität, schnoddrigem Alltags-Ton und intelligenten Wut-Kaskaden, aufbrausender Wildheit und unnachgiebiger Selbstanalyse hatte man bis dahin weder bei Henry Miller noch bei Philip Roths Vorbild Saul Bellow lesen können. Alexander Portnoy heißt der Ich-Erzähler in Roths Roman – er ist 33, erfolgreicher Jurist und hat seit frühester... mehr
Der Name Chuck Palahniuk wird zwar nicht jedem ein Begriff sein, der Titel seines bekanntesten Werks dafür jedoch umso mehr: Mit "Fight Club" und der gleichnamigen Verfilmung wurde der Autor über Nacht berühmt und zum Kultautor. Seither ist eine ganze Reihe von Publikationen erschienen, die alle ein bisschen wie "Fight Club" funktionieren: skurill-absurde Geschichte mit überraschenden Wendungen, die in einem bestimmtes Milieu der amerikanischen Gesellschaft spielen, das seziert, entblößt und entlarvt wird. Auch "Bonsai" passt in diese Reihe, der gesellschaftskritisch sezierende Blick wird hier sogar noch verschärft. Die Geschichte wird aus der Perspektive von "Bonsai" erzählt. Das ist... mehr
Charkiw ist eine Metropole im Osten der Ukraine. Für westliche Leser eine unbekannte Welt. Basis einer starken kommunistischen Partei, die sich traditionell mehr Russland als dem Rest von Europa verbunden fühlt. Vielleicht bekannt für die futuristisch marode Großindustrie. Bollwerk gegen die "orangene Revolution", die dem riesigen Land einen Demokratisierungsprozess bringen wollte. Eine Region zwischen postsowjetischer Tristesse und Aufbruch nach Konsumistan. Also eine Oase für Helden des Alltags auf ihren abenteuerlichen Reisen zum Glück. Und das ist hier gleichbedeutend mit erfolgreich "Business" machen. In diesem Panoptikum siedelt der Schriftsteller Serhij Zhadan seine Figuren an.... mehr
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