Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Los Angeles ist immer noch die Projektionsfläche für amerikanische Autoren. Auch Daniel Depp hat sein Debüt über Erpressung, Gewalt und Sex dort angesiedelt. Mit dem Privatdetektiv David Spandau führt er in "Stadt der Verlierer" eine Hauptfigur ein, die auf weitere Romane vorbereitet. Der ewig schlecht gelaunte Ex-Stuntman im Armani-Anzug und in Cowboy-Stiefeln recherchiert hier zwischen Hollywood-Studios, Mafia-Kreisen und Drogen-Clubs. Kein besonders originelles Setting. Aber der Autor webt ein dichtes Netz von Handlungssträngen. Deutlich wird dabei die Handschrift des Drehbuchschreibers Depp sichtbar. Die Bilder des Romans, sein sarkastischer Blick auf Hollywood und die skurrilen... mehr
Adam Kindred, ein junger, erfolgreicher Klimatologe und Held des neuen Boyd-Romans "Einfache Gewitter", kann sich nur die Augen reiben angesichts der Geschwindigkeit, mit der sein Leben umgekrempelt wird. Zunächst nicht gerade zum Besten, dafür aber zum Erstaunen des Lesers gleich mit, denn die lässige Zwangsläufigkeit, mit der der in London lebende Autor einen Unschuldigen zum einzigen Verdächtigen in einem Mordfall macht, so dass Kindred tatsächlich nichts anderes übrig bleibt, als sich von seinem bisherigen Leben vollständig zu lösen und in den Untergrund zu gehen, das hat erzählerischen Größe, ohne dass der feine Humor auf der Strecke bliebe. "Einfache Gewitter" ist kein herkömmlicher... mehr
Unterwegs in der turkestanisch-sibirischen Eisenbahn: Es geht durch radioaktiv verseuchtes Gebiet, der Reisende hat sich einen Geigerzähler gekauft, der unregelmäßig blinkt und den er – bei sich – seinen kleinen Erzähler nennt. Das Kästlein zeichnet die Strahlung auf, die von der Umwelt ausgeht – genauso wie der Reisende all das aufzeichnet, was um ihn herum geschieht. Dabei gerät das Aufgenommene in eine merkwürdige Schwebe: Die Welt vor den Fenstern bleibt märchenhaft unkonturiert, und der Zug selbst gewinnt eine geradezu unwirkliche, mystische Dimension. Ein Personal wie aus einem Fellini-Film begleitet den Erzähler auf der Reise in die letzten Winkel eines untergegangenen Reichs und... mehr
Ned Merrill ist ein Mann in mittleren Jahren, bestens in Form und beliebt, er hat Familie, Kinder und einen gut dotierten Job – auf den ersten Blick das Paradebild eines Angehörigen der amerikanischen Mittelschicht. Eines Tages taucht er in Badehose bei einer Party von Freunden auf und beschließt, auf seinem Nachhauseweg alle Pools der Nachbarschaft zu durchschwimmen. John Cheever schafft es, von dieser Situation ausgehend, und in einem der amerikanischen Kurzgeschichte eigenen nüchternen Ton nach und nach eine unwirkliche, fast surreale Stimmung aufzubauen: Bei den Begegnungen mit seinen Nachbarn wird nicht nur dem Schwimmer Ned, sondern auch dem Leser immer deutlicher, dass diese lustig... mehr
Nick wuchtet Gewichte, bis der "Rücken knackt und der Kopf zerspringt". Bodybuilding hält ihn vom Nachdenken ab. Genau wie das Saufen unzähliger Biere und Schnäpse. Nach 18 Monaten Haft wegen schwerer Körperverletzung haust er am Rande Kopenhagens in einem schäbigen Wohnheim. Nick ist einer der beiden Protagonisten in Jonas T. Bengtssons zweitem Roman "Submarino", der gerade von Thomas Vinterberg verfilmt wurde. Er ist am Arsch, da macht er sich nichts vor. Ein Opfer traumatischer Kindheitserfahrungen, auch das. Bengtsson hat eine passende Sprache aus knallharten kurzen Sätzen von kalter Schönheit für dieses Leben gefunden. Kein bisschen besser dran ist Nicks heroinabhängiger Bruder.... mehr
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