Lesen Sie hier die neuesten Bücherempfehlungen und -kritiken der MEIER Redaktion.
Poetry-Slam-Texte zwischen zwei Buchdeckel zu pressen muss ungefähr so schwierig sein, wie wenn ein Königspudel und ein Kamel versuchen, gemeinsam Nachwuchs zu bekommen. Nichtsdestotrotz: Karsten Hohage, der seinen Künstlernamen “Grohacke” aus einem Leben vor dem Poetry Slam mitbringt, hat mit seinem Debüt "GRObgeHACKtEs" das Unmögliche möglich gemacht. Verstecken müssen sich die Texte hinter den Live-Auftritten des 42-Jährigen, der 2003 als erster Poetry-Slam-Außenminister Heidelbergs in die große, weite Slam-Welt hinausging, nicht. Messerscharf und gedankenkühn, unverschämt frech und zuweilen auch frivol ist der Blick des mittlerweile in Weinheim lebenden Slampoeten auf eine Welt der... mehr
In den einzigartig niederschmetternden Romanen und Erzählungsbänden von Richard Yates ist das Unglück eine furchteinflößende, alltägliche Außeralltäglichkeit. Man sollte Yates' Bücher an getrübten Tagen besser nicht lesen. Es sind einsame Bücher mit einsamen Protagonisten. Der Effekt einer Katharsis bleibt immer aus und Abstand zur geschilderten Trostlosigkeit ist kaum möglich: Sie sind zu nah, oder gerade nahe genug am Leben entlang geschrieben, zeitlos gültig, von eleganter Schnörkellosigkeit, inhaltlich dicht und höchst suggestiv in ihrer Wirkung. Das gilt auch für das hervorragende "Disturbing the Peace" aus dem Jahr 1975, das jetzt unter dem Titel "Ruhestörung" ins Deutsche übertragen... mehr
Ein verspäteter Nachhall auf die Dekade der Raver, eine Dreiecksgeschichte unter der sengend-heiligen Sonne Mexikos, ein im Pseudo-Slang der Jugend verfasstes Buch einer ebensolchen Verzauberung: In "Ich weiß nicht" von Jürgen Teipel werden drei junge Menschen auf DJ-Tour nach Übersee geschickt. Montezumas Rache ereilt sie nicht, aber zunächst doch allerhand anderes Ungemach – Eifersucht, schlechte Vibrations und ein kleiner Reitunfall. Aber mehr als von diesen Unbilden erschüttert, werden sie umgepustet von der Schönheit des Erlebten, dem Zusammenklang von Raum, Zeit und Gefühl, von der Liebe, die plötzlich alle ereilt. Tere, Tommy und der Erzähler sind zwar einfach nur auf einer... mehr
Meike ist eine junge Übersetzerin des Erfolgsautors Henry LaMarck, die in einer Nacht- und Nebelaktion bei ihrem langjährigen Freund in Hamburg aus- und in ein marodes Haus auf dem Land einzieht. Henry ist ein amerikanischer Erfolgsautor, der demnächst den Roman des 21. Jahrhunderts veröffentlichen wird, aber noch keine Zeile geschrieben hat. Und Jaspeer ist ein deutsche Trader aus Chicago, der den Kollaps seiner Bank mitverursacht. Drei Protagonisten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, lässt Kristof Magnusson in seinem Roman zur Wirtschaftskrise aufeinandertreffen. Um die Eskapaden des Kapitalismus, um Gewinnmaximierung in einer Bank, aber auch im Verlagsbusiness – hier dürfte... mehr
Der letzte Abschnitt von J. M. Coetzees fiktionalisierter Autobiografie "Sommer des Lebens" besteht aus Notizbucheinträgen. Es sind fragmentarische Lebensspuren des ungefähr 30-jährigen "Protagonisten" John Coetzee. Der Autor erzählt in seiner typisch nüchternen Art in der dritten Person von "ihm" und seinem Vater, von zwei Männern, die zusammen wohnen, nachdem John ruhmlos aus den USA in ein Südafrika der Rassentrennung zurückgekehrt ist. Er schämt sich sehr für dieses Land. Der Vater, der ihm stets ein Fremder war und den er doch zu lieben versucht, ist nach schwerer Krankheit ein Pflegefall. Soll er sich um ihn kümmern oder ihn verlassen? Er muss sich entscheiden... Damit endet das Buch.... mehr
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