Die Uni Heidelberg und Silvana Koch-Mehrin

Kommt 'ne Frau zum Doktor ...

Party in Heidelberg: Die Universität feiert in diesem Jahr ihr 625-jähriges Bestehen. Und die Uni weiß: Zu einer guten Feier gehört ein lustiges Spiel. Zum Beispiel Flaschendrehen. Oder nackt auf den Tischen tanzen. Oder dem Gastgeber in den Vorgarten kotzen. Aber weil das mit der Zeit irgendwie öde ist, hat man sich diesmal etwas anderes ausgedacht: das Spiel „Doktortitel aberkennen“. Im Mittelpunkt: Politikerin Silvana Koch-Mehrin und ihre Doktorarbeit über die Lateinische Münzunion.

In Bayreuth (mit Doktor Guttenberg) und Konstanz (mit der Stoiber-Tochter) kam das Spiel super an. Auch in Heidelberg hat es sich offensichtlich gelohnt. Die Uni hat herausgefunden, dass Koch-Mehrins Werk aus dem Jahr 2000 „in substantiellen Teilen aus Plagiaten“ besteht. Heißt: Die Europaabgeordnete soll geschummelt haben. Der Titel ist also weg. Einige sagen jetzt: War doch keine gute Idee, Doktor Guttenberg als Ghostwriter zu beauftragen. Sie wird aber auch in Schutz genommen. Viele finden: Okay, immerhin hat sie versucht, die Arbeit selbst zu schreiben. Aber das war wahrscheinlich der Fehler.

Parteifreunde sind nun auch „erleichtert“, dass Koch-Mehrin sich aus dem Forschungsausschuss des EU-Parlaments zurückgezogen hat. Entschuldigung, aber wie kommt man eigentlich überhaupt auf die Idee, ihr ausgerechnet den Forschungsausschuss anzubieten ...? – Ach, lassen wir das. Schauen wir uns lieber die Internetseite von Koch-Mehrin an. Dort steht wörtlich: „Mann, bin ich doof. Meine Arbeit ist so scheiße, da verzichte ich freiwillig auf den Doktortitel. Sorry, Leute! LG und Kuss! Eure Silvana.“

Nein, Quatsch, das steht da natürlich nicht, sondern: „Meine Doktorarbeit ist nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft.“ Der Uni sei dies seit elf Jahren bekannt. Und weiter: „Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen.“ – Ja, Mensch, wie gemein.

Jetzt fragen sich viele: Liebe Kinder, was stimmt denn nun eigentlich? Kann endlich mal jemand für Aufklärung sorgen? Wieso hat es elf Jahre gedauert, bis man in Heidelberg gemerkt hat, dass man den Doktortitel eigentlich doch aberkennen sollte? Und: Wer hat in den vergangenen Jahren noch so alles an der Uni geschummelt? Der Hausmeister bei der Mülltrennung? Außerdem: Wurde die Doktorarbeit vor elf Jahren überhaupt richtig gelesen? Denn zugegeben: Wer liest sich schon freiwillig eine Arbeit über lateinische Münzen durch? Da schaut man doch lieber seinen Füßen beim Einschlafen zu.

Okay, egal. Die Studenten in Heidelberg freuen sich jedenfalls über die wahnsinnig schnelle Reaktion der Uni – wie auch über die schonungslose Aufklärung. Jetzt hoffen viele, dass die Uni weitere Skandale aufdeckt. Zum Beispiel, wer ständig Klopapier mitgehen lässt, nach Studi-Partys die Altstadt vollkotzt und vor allem: Welches Ferkel auf Frauenklos immer im Stehen pinkelt.

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