Wintersleep’s Rückkehr in den Karlstorbahnhof Oder: The Megaphonic Thrift (Foto) Nach ihrem wunderbaren Konzert vom Vorjahr haben die sympathischen Kanadier Wintersleep auch dieses Mal ein abwechslungsreiches Indie-Rock-Set gespielt. Soviel dazu, denn am Dienstag, den 14.09.2010 hat ihnen definitiv die Vorband die Show im Karlstorbahnhof gestohlen: The Megaphonic Thrift.

Konzert Review: Wintersleep & The Megaphonic Thrift

Ich hatte eigentlich nicht vor, eine Review zu schreiben, habe mich dann aber von der Band dazu hinreissen lassen: einen Stift geliehen und einen Programmflyer gesucht, der möglichst rauhes Papier zum Schreiben bietet.

Der erste Song von The Megaphonic Thrift war schon ein Kracher, und die Gedanken flitzen durch meine Synapsen: Diese Band kann nicht aus Amerika kommen, denn es gibt schon Built to Spill. Es gibt schon Yo La Tengo. Und beim besten Willen, auch wenn man nicht mit Namen um sich werfen will – es gibt auch schon Sonic Youth (ca. 1988-94).

Dies sind keine Beleidigungen oder Plagiatsvorwürfe, sondern Komplimente. Sich von den Besten inspirieren lassen, von den Meistern lernen. Auch für diejenigen im Publikum schön, die all diese Bands nie live sehen durften. Die Songs: melodiöser Lärm, die Melodie überwiegt. Die Gitarren: verzerrt aber poppig.

Und wie gesagt: klar, dass so eine Band nicht aus Amerika kommen kann. Genausowenig kommen Disco Doom aus Amerika, die ebenfalls im Karlstorbahnhof Support waren, für keine geringere Band als Built to Spill. The Megaphonic Thrift und Disco Doom haben folgendes gemeinsam: Sie erinnern mich an die Zeit Anfang/Mitte der 90er Jahre, zu der auf MTV jede Menge aufregende Bands gespielt wurden. Man nannt das damals Indie, Lo-Fi und auch Alternative. Mehr oder weniger im selben Zeitraum (jedoch mit mehr Vorlaufzeit) wurde im Vereinigten Königreich Shoegaze zelebriert. Auch hier gibt es ein aktuelles Beispiel: The Pains Of Being Pure At Heart können nicht aus Grossbritannien kommen. Spielen aber DEN Sound.

Die Amerikaner lassen also den Shoegaze wieder aufleben (auch wenn sie ihn Dream Pop nennen), die Schweizer (Disco Doom) und Norweger (The Megaphonic Thrift) hingegen schenken uns ihre aktuelle Interpretation der amerikanischen 90er-Indie-Jahre.

Dass nicht nur ich persönlich von ihrem Auftritt begeistert war, zeigte der aufrichtige Applaus, der bei Vorbands oft eher verhalten ausfällt.

Sehr empfehlenswert: Aktuelles Album – Decay Decoy (2010 Hype City Recordings), es gibt bisher noch keinen Euro- bzw- Deutschland-Vetrieb für den physischen Tonträger.


Text: Beta. Für Popklub.de und meier-online.de
Mehr Pop im Klub gibt's auf popklub.de - das Inide-Popzine aus Mannheim.

| Mittwoch, 22. September 2010 09:54 | Keine Kommentare »

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