The Kids Want Ko?n! Korn? Ist das nicht die Band, deren Sänger auch locker als Zwangsjackenmodell arbeiten könnte? Korn sind auf jeden Fall Klassiker und Vorreiter eines Genres, das man, nunja, weitläufig als “Nu Metal” bezeichnet.
[02.10.2010, Rosengarten, Mannheim] Schublade hin oder her, nur fünf Konzerte geben Korn in Deutschland, bevor sie Ihre Ballroom Blitz – Welttournee in England fortsetzen. So darf man sich nicht wundern, dass der Mozartsaal an diesem Abend mit über 2000 “Former Children Of The Korn” im Rosengarten restlos ausverkauft war.
Supported wurden Korn von Dimmu Borgir, einer der Norwegischen Death/Dark Metal Kombos schlechthin, die – das wage ich zu behaupten – eher für den jüngeren Anteil im Publikum verantwortlich waren. Sehr theatralisch, sehr narrativ, sehr kraftvoll, mit ultraschneller Doublebass, Chorsamples, den für Doommetal typischen extremen Tempiwechsel und der peitschenden, hexenartigen Stimme von Sänger Stian Tomt, die gar nicht richtig zum Hauptact Korn passen wollten.
Nichsdestotrotz legten sie für ihr Genre ein sehr interessantes knapp 40 minütiges Set hin, welches von den nicht wenigen Dimmu Borgir Fans in der Halle trotz der vielen Korn Rufe zu Beginn des Konzertes und der teilweise matschig abgemischten Gitarren gebührend gefeiert wurde.
Während in der Umbaupause die Roadies Jon Davis’ Giger Mikro anschleppten und Ray Luziers’ Special Drumset aufbauten, gab dann Dj Kid Knuckles aus Los Angeles – der mit Korn tourt – seine Einlage als hüpfender und headbangender Metal Animateur, in der er einen Hit nach dem anderen in die Menge abfeuerte, die dies lauthals durch Mitsingen begrüßten.
Circa viertel vor neun war es dann soweit: Licht aus, Show on – die ersten Töne von “4 U” erklangen, Jubel ging durch die Menge, und ein Bandmitglied nach dem anderen kam auf die Bühne – bis auf Sänger Jon – der kam pünktlich zum ersten Riff von “Right Now” direkt ans Mikro gestürmt. Von nun an herrschte knapp 90 Minuten eine geballte bassdominierte Energie und die Band, die den schwarzen Gürtel im Bass-Slappen hat, versorgte ihr Publikum vorwiegend mit Songs der älteren Scheiben.
Weiter ging es direkt mit “Need To”, “Coming Undone” und “Pope A Pill” welcher zusammen mit “Oildale” und “Let The Guilt Go” einer der wenigen Songs vom aktuellen Album “Remember Who You Are” im Set waren. Bei den ersten Riffs von “Falling Away From Me” vom 1999er Album “Issues” und dem darauf folgenden “Did My Time” gab es im Publikum absolut kein Halten mehr: die Menge tobte und hüpfte zu den brachialen Sounds von Gitarrist “Munky” und Arvizus genialem Bassspiel.
Nach “Helmet In The Bush” vom Korn Debüt gab es dann ein wundervolles, geslapptes Bass Solo von Arvizu auf seinem – trotz Linkshändigkeit rechtsgespielten Five String – zu hören und sehen, gefolgt von einem Solo des “neuen” Drummers Ray Luzier, um dann mit dem Klassiker “Freak On A Leash” die tobende, nassgeschwitzte Menge weiterzurocken, die inzwischen kein Halten mehr kannte und auch den ein oder anderen Stagediver über die Köpfe hinweg jagte.
Herausragend waren auch das Pink Floyd Cover von “Another Brick In the Wall”, in der Gitarrist James “Munky” Shaffner sein Können auf der Ibanez K7/Apex (Siebensaiter) weiter ausspielen konnte, sowie das mit Dudelsack eingeleitete “Shoots & Ladders” welches in einem Medley von Metallicas “One” endete.
Auch wenn Sänger Jon Davis ab und zu per Sauerstoffmaske frische Luft holen ging, um die in die Hocke gegangene Menge bei “Blind” vom aller ersten Album “Korn” mit einem kraftvoll gebrüllten “ARE YOU READY?” wieder zum Weiterhüpfen aufzufordern, tat dies der energiegeladenen Stimmung überhaupt keinen Abbruch.
Im Gegenteil – beim letzten Song “Got The Life” vom 1998er Album “Follow The Leader” holten alle nochmal das Letzte aus sich ‘raus und feierten eine riesige Abschlussparty eines sehr gelungenen Konzertes – All In The Family eben.
Korn live..? Gerne wieder. Are YOU Ready?
Text: Steff. Für Popklub.de und meier-online.de
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