Oder: Warum die Holländer auch nächstes Mal nicht Weltmeister werden
Nachdem ich in der Max Bar das bewölktere Drittel des Tages totgeschlagen hatte, sinnierte ich im Schatten irgendeines deutschen Arboreten über Dieses und Jenes, vor allem aber über Jenes; das diesseitige war mir hinlänglich bewusst: Links der Marstall, vor mir ein Kinderspielplatz mit einer Büste des Pfälzer Poeten Gottfried Nadler, diversen Früchtchen samt Mamis und dazu Sonne und schwül.
Kind 1 mit Garfieldshirt fordert Yankeemütze und Goldlöckchen zu einem Fußballspiel auf, dessen Regeln er selbst bestimmt – immerhin ist es ja sein Ball. Während er anfangs der Einzige ist, der die Hände zum Fangen benutzen darf, wird diese Regel schnell zum Unmut der Mitspieler bis in den Gegnerischen Strafraum ausgeweitet. 20 Minuten später gilt jeder Versuch des kleinen Diktators pauschal als Tor.
So langsam blicken Goldilocks und Yankee, dass sie mit dem definitiv nicht FIFA-konformen Regelwerk zwar nicht die rote, jedoch die Arschkarte gezogen haben, zumal Garfields Tor inzwischen auf die Größe der Dichterbüste zusammengeschrumpft ist. Als Yankee schließlich auch mal Hand an das Plastikgeschoss legen will, gibt´s nicht nur a Watschn, sondern gleich auch noch den Spielausschluss in Aussicht gestellt. Ist ja schließlich nicht sein Ball, ne.
Während ich gerade noch darüber nachdenke, was das Erleiden permanenter Ungerechtigkeit für die formbaren Kinderseelen wohl bedeute, vermeldet Garfield lautstark, er müsse mal.
Hinter dem Baum aus Mamis Sicht ist ungeschickterweise neben dem Baum aus der Sicht des interessierten Betrachters, und ich schaffe es, einen bösen Blick unterzubringen, als der kleine Solipsist sich nach eventuellen Zeugen seines geplanten Geschäftes umschaut.
Wie ich geschätzt hatte, hat er sich dann nach 15 Minuten weiteren Hin- und Her-Gerennes in die Hose gemacht. Mit einer mir bisher unbekannten, fast schon buddhistisch zu nennenden Zufriedenheit im Bauch wandte ich meine Gedanken wieder dem Ausgangsthema zu, als ich an den Neckarstaden gen Heimat schlenderte. Sollte am Ende doch eine gerechte Macht über diesem schwülen Sommertag gestanden haben?




