Deutsche Musikgeschichte schreiben
Etwas Bauchschmerzen bekam ich schon, als die Meldung von dem Projekt der Popakademie und dem Deutschen Musikrat in meinem Postfach landete. Am 26. März wird die CD-Box "Popmusik in Deutschland 1950-2000" auf Sony Music erscheinen. Für jedes Jahrzehnt sollen die "stilprägendsten" Songs auf einem Silberling vereint sein. Das klingt interessant, aber auch sehr ambitioniert. Ohne die Playlists im Einzelnen zu kennen, aber gerade das Genre der Popmusik ist für Grenzziehungen ein schwieriges Terrain. Klar muss zwischen Verkaufserfolg und musikalischer Innovation abgewogen werden. Aber wie geht man mit internationalen Einflüssen um? Nimmt man hierfür den erstbesten deutschen Interpreten, der den Stil am frühesten, am besten oder am erfolgreichsten aufgenommen hat? Und wer ist dann eigentlich der Stilprägende? Interessant ist vor allem auch, wie das Verhältnis zum bis heute innovativsten Popmusikmarkt der Welt, nämlich Großbritannien berücksichtigt wurde. Denn Deutschland hat nicht jedes Jahrzehnt eine Combo wie Kraftwerk hervorgebracht, die einen maßgeblichen Einfluss auf die gesamte populäre Musik ausgeübt haben. Man kann nur hoffen, dass die Musikexperten ein glückliches Händchen hatten, wie bereits bei der einen oder anderen Veröffentlichung des Deutschen Musikrats.
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