Die acht Gebote von Mannheim
Mannheimer Lokalpolitiker geben endlich Antworten, auf die der Bürger schon lange gewartet hat. Wie verhält sich der Gemeinderat während einer Sitzung? Was ist erlaubt? Und was nicht? Im Mannheimer Gemeinderat gibt es jetzt neue Regeln. Acht Stück. Zusammengefasst im „Mannheimer Kodex“. Ziel: mehr Disziplin. Eine Regel lautet zum Beispiel: „Ich höre während der Sitzung aufmerksam zu.“ Ja, wie? Was haben die Lokalpolitiker denn bisher so gemacht, während ihre Kollegen gesprochen haben? SMS geschrieben? Kochrezepte ausgetauscht? Vor der Tür „Eine“ geraucht? Oder sich geprügelt?
Die erste Regel lautet übrigens: „Ich bereite mich sorgfältig auf die Sitzungen vor.“ Echt jetzt. Kein Scherz. Es wird sogar noch besser. Andere Vorschriften lauten: „Ich bin in meiner Kritik konstruktiv“ und „Ich schränke die Selbstprofilierung auf das notwendige Maß ein“. Na dann ist ja alles gut.
Aber völlig überraschend finden nicht alle Gemeinderäte die Regeln so richtig knorke. Manche sprechen beleidigt von „Kindergarten“. Und die Deutsche Presseagentur schreibt angewidert: „Ein Lächeln, oft auch ein Grinsen oder aber ungläubiges Kopfschütteln sind meist die erste Reaktion auf den Mannheimer Kodex.“ – Wie bitte? Machen sich da einige etwa lustig? Kann doch nicht sein! Denn der Kodex ist doch absolut sinnvoll.
Nur: Die acht Regeln gehen einfach nicht weit genug. Deshalb an dieser Stelle acht weitere Gebote, die der Mannheimer Gemeinderat unbedingt noch einführen sollte (und alle anderen Parlamente auch, natürlich auch der Bundestag):
1. Ich spiele während der Sitzung nicht an mir rum!
2. Auch nicht an meinem Nachbar!
3. Ich rufe während der Sitzung nicht „Ihr! Seid! Nur! Ein! Karnevalsverein!“!
4. Ich rufe während der Sitzung nicht „Mit Verlaub, Herr Präsident: Sie sind ein Arschloch!“!
5. Wenn ich dreimal meine Unterlagen (Kulli, Geodreieck, Lineal, etc.) vergessen habe, trägt mich der Oberbürgermeister ins Klassenbuch ein!
6. Wenn ich meine Kollegen lautstark und übel beschimpfe („Ey, Du bist voll doof, ey“, „Meine Mama hat gesagt: Du stinkst“, etc.), dann gehe ich zur Strafe in die stille Ecke, auf die stille Treppe, in die Wuthöhle, auf den stillen Stuhl oder auf die Puuhbank!
7. Stricken ist verboten – wir sind hier ja schließlich nicht auf’m Grüne-Parteitag!
8. Schlafen, essen, Musik hören, telefonieren, Zeitung lesen, alle zehn Minuten eine Raucherpause machen – all das ist natürlich ausdrücklich erlaubt! Denn wie soll man den ganzen Käse sonst aushalten!?
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