Protest in Heidelberg

Gröler halts Maul!

Foto: Dimitri Taube

Gröler halts Maul!

In der Unteren Straße in Heidelberg sind Wildpinkler, Gröhler und Rucksacksäufer unerwünscht; auch für Randalierer, Schläger und unzivilisierte Junggesellenabschiede ist die Straße jetzt tabu. Jedenfalls, wenn es nach den Gastronomen in der Heidelberger Altstadt geht. Die Gröhler machen nämlich Ärger. Deshalb sollen sie „zu Hause“ bleiben. So können das nun alle lesen – alle, die durch die Untere Straße spazieren (Kinder, Omis, Japaner, etc.). Zwei Banner hängen da. Mit Verbotsschildern (siehe Foto). Heißt also: Pinkeln und Saufen? – Is’ nich’ mehr!

Die Gastronomen haben – um es intellektuell und poetisch auf den Punkt zu bringen – die Schnauze voll. Genauso wie die Anwohner (die ihrerseits ebenfalls schon lustiges und künstlerisch wertvolles Protestmaterial produziert haben, darunter Transparente, auf denen in freundlichem Diplomatendeutsch zu lesen ist: „Gröler halts Maul“). Und nun? Nun muss sich der gemeine Wildpinkler „nur“ noch an das halten, was da auf den Transparenten steht. Sollte das tatsächlich gelingen? Sagen wir mal so: eher nicht. Es wird wohl weiterhin Ärger geben. So wie schon in den vergangenen Wochen und Monaten.

Und was halten die Touristen von der Banner-Aktion? Finden sie Heidelberg jetzt doof? Denken sie vielleicht: Ja, die spinnen, die Heidelberger – wollen sie uns nicht mehr? – Nö. Die Touristen sind … ähm, nun ja … „begeistert“. Wir haben drei von ihnen gefragt (natürlich repräsentativ!): einen Mann aus Bayern im besten Alter, eine junge Frau aus der Pfalz und einen Japaner, der „zufällig“ durchs Bild lief, als wir das Transparent fotografierten.

Der Bayer sagte: „Joa mei, dös’ is’ joa … joa gut, ääähhh … wie deppert …“ Den Rest haben wir dann leider nicht mehr verstanden. Um ehrlich zu sein, haben wir eigentlich nur „deppert“ verstanden – und uns beim Rest des Satzes gefragt: Was macht eigentlich Otti Fischer in Heidelberg? Wildpinkeln? Rucksacksaufen? Japaner fotografieren?

Die junge Frau sagte: „Jo, also isch määhn: Des de Hamma’ … Sellwart schuld, die Leit’, wonn’se do wooohnää duuun …“ Okay, auch hier haben wir leider nicht alles verstehen können. Wahrscheinlich aber auch nicht weiter schlimm.

Und der Japaner? Der machte zunächst ein Beweisfoto, deutete dann auf die beiden Verbotsschilder, die auf dem Banner zu sehen sind, schüttelte den Kopf und sagte anschließend trocken und in schönstem Ballaballa-Englisch: „Sörmani. Funifunifuni.“ Zwei Worte. „Germany“ und „funny“. Das war’s. Mehr nicht. Aber egal. Genügt schon. Sörmani. Funifunifuni. Noch Fragen?

Mehr zu diesem Thema in der November-Ausgabe von MEIER. Jetzt am Kiosk!

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Kommentare

5 Antworten zu “Gröler halts Maul!”

  1. Hans schrieb am Dienstag, dem 27. Oktober 2009 um 12:40

    Krass!!!!!!

  2. Hans schrieb am Mittwoch, dem 28. Oktober 2009 um 11:52

    sehr schöner artikel

  3. sos heidelberg schrieb am Freitag, dem 20. November 2009 um 00:42

    Jetzt reichts in Heidelberg! Habe soeben einen neuen Blog eröffnet: SOSHeidelberg. Sobalg ich kapiert habe, wie man andere Blog-Einträge verlinkt, wird dieser Text hier auch verlinkt. Wenn Ihr andere Protest-Themen zu Heidelberg habt, Ärger mit der Verwaltung oder der Heidelberger Bau-Mafia, mit der Uni oder dem Klinikum, bitte Mail mit Textvorschlag an peoplewing@gmail.com. Ich setze das dann als Thema in den Blog. Sorry für die Eigenwerbung, aber wir vernetzen uns ja zum Wohle aller (Man merkt wohl, dass ich schon ein älteres Semester bin, dass gerade die Möglichkeiten von Web2.0 entdeckt, oder?

  4. Dido schrieb am Freitag, dem 18. Dezember 2009 um 12:16

    Total krass.

  5. rollinger schrieb am Montag, dem 1. März 2010 um 20:40

    Heidelberg war schon immer uncool. Sollen die eben in ihrem Disneyland bleiben und schön flanieren. Ein Kurort ist spaßig dagegen.

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