Wo bleibt das bedingungslose Grundeinkommen?


Als ich kürzlich meinen vorläufigen Rentenbescheid überflog, musste ich ganz arg weinen. Dann schneuzte ich mich in ein Papiertaschentuch und las ihn eingehend. Daraufhin schluchzte ich noch mehr legte mich sofort in mein Bett: So macht es ja gar keinen Sinn mehr, überhaupt noch vor die Türe zu treten und irgendetwas zu arbeiten. Um mir zuzustimmen, nisteten sich Erkältungserreger bei mir ein und überzeugten mein Immunsystem, ihnen endlich nachzugeben.

Dabei habe ich bis auf die 4jährige Unterbrechung wegen eines Studiums immer brav gearbeitet, seit meinem 16ten Lebensjahr. Dass einige Menschen eine vergleichsweise hohe Rente zu erwarten haben, andere dagegen eine sehr mickrige, liegt in dem Trugschluss begründet, es gäbe in D eine soziale Markwirtschaft, also Tarifpartnerschaften, gerechte Einkommen und dergleichen. Tatsächlich stimmen die Einkommensverhältnisse schon lange nicht mehr!

Generell geht man davon aus, dass derjenige, der im Erwerbsleben ein hohes Einkommen erzielt hat, dieses auch "verdient". Er wird danach mit einer entsprechenden Rente "belohnt". Im Umkehrschluss heißt das aber: Wer ein geringes Einkommen hat, der "verdient" eben nicht mehr, weil er womöglich weniger arbeitet oder einen geringeren Bildungssabschluss o.ä. hat. Wenn dessen Rente gering ist, trägt er also selbst die Schuld daran.

Das kann so sein, muss es aber nicht. Natürlich steht bei manchen Menschen die Überlegung im Vordergrund, kein eintöniges Leben führen zu wollen und dafür real Einkommensverluste und dementsprechend eine Rentenminderung in Kauf zu nehmen. In der Regel aber suchen sich nur wenige Menschen ihre Zukunft selber aus, sondern reagieren entsprechend der Möglichkeiten innerhalb ihrer sozialen Kasten. Es steht hier also eher Glück als tatsächlicher Verdienst im Vordergrund.

Wer nun möchte, dass ich wieder ganz gesund werde und wieder lächle, muss sofort das bedingungslose Grundeinkommen durchsetzen. Alle dämlichen und unsozialen Transferleistungen wie ALG I + II sowie Rente und Sozialhilfe fielen weg, dafür hätte aber jeder Mensch ausreichend Geld, um ein sorgenfreies Leben führen zu können, frei von jeder Angst vor Arbeitslosigkeit oder Altersarmut. Nur der stressbefreite Mensch vollbringt gesellschaftliche und kulturelle Höchstleistungen.

Jaja, die Einwände kennt man: So etwas liesse sich gar nicht finanzieren, es würde dann ja keiner arbeiten usw. usf. Wie das funktionieren kann, zeigt der Film "Grundeinkommen" von Daniel Häni und Enno Schmitt. Dort wird sehr einleuchtend argumentiert, Fehleinschätzungen werden relativiert und die richtigen Fragen gestellt, wie z.B.: Wozu brauchen wir noch eine Arbeitsgesellschaft, wenn diese ohnehin nicht mehr in der Lage ist, ihre TeilnehmerInnen zu ernähren? Und - oh Wunder: 90% aller Befragten würden trotzdem arbeiten, auch wenn sie es nicht mehr müssten!

Selbst wenn das bedingungslose Grundeinkommen etwaige Probleme und unbekannte Risiken in seiner Umsetzung birgt: Immerhin handelt es sich um eine positive Vision für dieses Jahrtausend. Letzten Endes ist es immer besser, etwas Neues zu probieren. Das Risiko eines Scheiterns ist zwar immer und überall dabei. Ganz schlecht aber ist es, aus lauter Furcht und Zauderei an einem System festzuhalten, das bereits gescheitert ist! Film angucken, selber urteilen!

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Kommentare

3 Antworten zu “Bei Rente muss ich weinen!”

  1. holz e. kart schrieb am Mittwoch, dem 11. März 2009 um 17:06

    P.S. den Film kann man sich im Internet anschauen - das hat der Simpel H .E. Karst vergessen (http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen)

  2. Sven schrieb am Donnerstag, dem 19. März 2009 um 12:17

    Das Rentenproblem wäre ja auch zu lösen, wenn einfach mal alle die sich später etwas herausnehmen, im Vorfeld auch etwas einzahlen würden. Aber ja - kennt man Deinen Rentenbescheid, kennt man alle - irgendwo herumtänzelnd um den Sozialhilfesatz.

    Das Problem ist nicht ein gescheitertes System, sondern ein System welches nicht reformiert wird. Weder wollen die Politiker selber zur Aufrechterhaltung des Sozialstaates Ihren Teil beitragen (oder genauer gesagt die Beamten im Allgemeinen), noch möchte man Wähler vergraulen.

    Und der Wähler selbst fordert auch gerne, er ist jedoch nur selten bereit etwas zu geben wenn es Ihn persönlich trifft. Bestes beispiel die Steuerreform im letzten Wahlkampf.....

  3. holger e. karst schrieb am Donnerstag, dem 19. März 2009 um 15:10

    @ sven: das problem ist ja: wer wenig verdient, kann wenig einzahlen. der frisör, der 3 - 5 euro die stunde verdient und 45 jahre angestellt ist, hat ja genausoviel gearbeitet - oder noch länger - als ein beamter. rente und pension unterscheiden sich bei beiden eklatant. sozial ist anders!

    sozial wäre wenigstens eine einheitsrente, der gesellschaftlich beitrag muss dabei zu den arbeitszeiten mitgezählt werden, es ist ja kaum einzusehen, das ein erziehendes elternteil einbußen bei der rente haben muss, oder jemand, der statt arbeitslosigkeit sich sozial oder kulturell engagiert (blos weil er dabei angeblich nicht "arbeitet")

    meckern über alles tut immer der mittelstand, nie die armen, deswegen kommen die auch zu nix! diebezüglich hast du recht, wenn du sagst, dass keiner bereit ist auch nur ein deut zu geben, selbst wenn sie es dicke haben: sozial ist nur, wenn es einem selbst hilft.



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