Der Blog zum Valentinstag.
Erfunden hat den Valentinstag ja der Hitler. Halt nee, stimmt gar nicht, das war der Muttertag. Stimmt zwar auch nicht, aber immer wenn ein Satz wie "Früher war auch nicht alles schlecht" gut rein passt, hat so ein Mythos ja gerne länger Bestand. Den Valentinstag jedenfalls haben die Blumenhändler erfunden. Sagt man. Ist historisch auch nicht richtig belegt. Sein Ursprung wurzelt in der kirchlichen Liturgie. Ist jetzt trockener Stoff, muss man aber als Hintergrund schon mal schreiben dürfen: In "manchen Kirchen", wie die gute Wikipedia geheimniskrämerisch schreibt, feierte man am 14. Februar die Ankunft Jesu, seines Zeichens himmlischer Bräutigam zur Himmlischen Hochzeit. Mit diesem anderen heiligen Märtyrer namens Valentin, der verliebte Menschenkinder trotz des Verbots von Kaiser Claudius II. traute, hat das also gar nichts zu tun? Der Normalbürger bleibt verwirrt zurück.
Die Blumenhändler jedenfalls haben den Tag der Liebenden brutal instrumentalisiert. Raffgierige Floristen auf der ganzen Welt, die weder Moral noch christliche Nächstenliebe kennen, sondern den Mammon zum Leitmotiv ihres verwerflichen Handelns machen, hängen am 14. Februar menschenverachtende Schilder raus, auf denen Sätze stehen wie "Sag's mit Blumen" oder "Der schönste Liebesbeweis". Frechheit! Sie nehmen uns die Wahlfreiheit. Entmündigen uns. Was, wenn ich meiner Liebsten Mitte Februar lieber einen Porsche Cayenne schenken will? Oder eine Eigentumswohnung. Oder Socken. Das ist ja gesellschaftlich überhaupt nicht mehr durchsetzbar. "Was hoscht du deiner Fraa gschenkt?!? Änn Ei-Foun? Schbinnsch Du?!" Da ist man machtlos. Wenn der gleichgeschaltete Blumenschenker wenigstens wüsste, dass die Lieblingsblumen meiner Freundin Königsstrelitzien sind. Die Dinger sind total unpraktisch. Bis zu zwei Meter lang, extrem empfindlich und somit überhaupt nicht "Schnell-auf-dem-Heimweg-Kauf"-fähig. Ich als Normalbürger kapituliere spätestens jetzt.
Valentinstag und Blumen – seit wann eigentlich? Uns Deutsche beglückten erst die US-Soldaten, die das unnötige Brauchtum 1950 mit einem Valentinsball offiziell in Nürnberg einführten. Hätte man sich ja denken können, dass die das waren, kam doch auch in den letzten acht Jahren meist nichts Gutes über den Atlantik. Mit Barack „Yes, I could, if it wouldn't be so incredibly expensive" Obama stirbt jetzt aber auch die letzte Hoffnung, dass der Valentinstag global diskreditiert wird. Denn in den USA darben nicht nur die Autobauer und die Banken, sondern auch die Blumenmafia, äh, Blumenindustrie. Kauft Joe Average, wenn er von einem seiner drei Jobs nach Hause kommt, seiner in der nicht abbezahlten Immobilienblase sitzenden Ehefrau normalerweise nicht einmal eine Pusteblume, so haut er am 14. Februar richtig rein. 40 rote Rosen für rund 200 Dollar – ein Röschen für jedes Jahr, das er in seinem Leben damit verbringen wird, „sein" Haus abzubezahlen. Man muss sich das mal ausrechnen. Wenn von den 300 Millionen Amis, also rund 150 Millionen Männer, nur jeder Dritte verheiratet (oder wenigstens verliebt) ist, also rund 50 Millionen Joe Averages, dann ergibt das für die US-Blumenhändler einen Valentinstagsgewinn von 10 Milliarden Dollar. Damit sollten sie die restlichen 364 Tage des Jahres locker überstehen.
Aber ohne mich. Nee, nee, ich mache da nicht mit. Keine Blumen dieses Jahr. Nicht einmal 'ne Rose. Heuer schenke ich meiner Angebeteten, aufgepasst, Geld! Genau! 50 Euro zum Beispiel. Womit man bei Blumen Otto grade mal zwei Flamingoblumen kriegt – ohne Vase natürlich. Meine Freundin kann sich davon immerhin einen DVD-Player kaufen. Oder sogar eine Monatsrate fürs Ei-Foun. Oder zehn paar Socken. Oder Pralinen, und zwar viele.
„Was für ein Arsch", denken jetzt viele Leser. Oder noch eher: „Ha ha, macht der ja eh nicht." Bei der Sache mit dem „Arsch“ bin ich noch unsicher, das andere aber stimmt leider. Macht er nicht. Traut er sich nicht. Macht man ja auch einfach nicht. Dem Druck der Konventionen, also jener Regeln, die eingehalten werden müssen, wenn man soziale Ächtung (und die der Freundin) vermeiden will, kann auch ich mich nicht entziehen. Ich werde ihr Strelitzien schenken. Zwei Meter hohe. Total romantisch. Mindestens vierzig Stück. Und das gänzlich unromantische Problem mit der Vase, das soll sie dann mal schön selber lösen. Vielleicht hilft ja Blumen Otto. Oder Barack Obama.




