Wo das Wasser sein wird und sonst nichts!
Wenn es darum geht, aus vormals schönen Orten Ödland zu machen, ist Mannheim immer ganz vorne mit dabei. Ich weine gerade ein paar Tränen um den zukünftigen Ex-Alter-Bahnhof am Neckarufer, wo der der Autor nebst Angetrauter unter den Bäumen saß, und die Schiffe hat hinunter fahren sehen. Dies bei einem feinen Weizenbier, wenn es auch hier einfach nur Eichbaum sein musste. Eichbaum ist zwar ein aktenkundiger Bierverbrecher, aber beim Hefeweizen hat sich die Firma ausnahmsweise mal nicht verhoben, dies sei hier angemerkt.
Nun ist der Alte Bahnhof extremst sanierungsbedürftig, und das wohl schon seit Jahren. Dies hat Eichbaum in seiner Rolle als Grundstücksverweser offenbar nicht sonderlich interessiert. Doch jetzt müsste man halt mal dringend, und möchte das angeblich auch, aber: Das Grundstück gehört wie so vieles dem Lebensmittel- und Gehaltsdiscounter Lidl, in dessen Besitz ja ohnehin das ganze Neckarufer zu sein scheint und der die Anwohner mit seinen Parkplätzen und Discountern zu Tode langweilt, und der will nun nicht mehr weiter Eigentümer sein, sondern lieber... ach, lesen Sie bitte unten weiter.
Lidl möchte das Grundstück mit dem "Außen Hui, Innen Pfui" -Problem am liebsten verkaufen, womöglich an ähnliche Langweiler wie der Konzern selbst. Man ist ja so gerne unter sich. Deswegen kann Eichbaum leider nicht sanieren. Deswegen können die Pächter leider nicht weitermachen, nur noch bis zum Ende des Sommers. Deswegen kann ich im nächsten Jahr leider nicht mehr im hiesigen Biergarten sitzen und mit meiner Angetrauten bei einem Hefeweizen die Schiffe den Neckar hinunter fahren sehen und so weiter und so fort, Sie wissen schon.
Die Mannheimer Gastronomie ist ohnehin nur im Sommer zu ertragen, wenn man draußen sitzen kann. Innen hat man sich offenbar dazu verschworen, jeglichen Charakter aus den Bars und Kneipen zu vertreiben. Entsprechend sieht es da auch aus: Gerne hat man dunkles Interieur, einfache Holztische und noch einfachere Stühle. Damit man sich bloß nicht die Augen entzündet, verwendet man gedeckte Farben für die Wände, und die Ohren schützt man durch belanglose Musik.
Der Kinobesucher und der Theaterfreund trinkt dort ein Gläschen Wein, vielleicht auch zwei, und geht dann wieder. Unvorstellbar scheint es, dort die Nacht durchzechen zu wollen. Seltsamerweise hat man es nicht geschafft, Gastronomie direkt an einem der beiden Flüsse zu etablieren. Hallo! Sie, liebe MannheimerInnen! Ich sage nur: Zwei Flüsse! Klingelt da etwas? Manche Städte wären froh, wenn sie auch nur ein Gewässer hätten. Doch Mannheim ist es schlicht egal. Da helfen auch so Pseudo-Karibik-Bars wie die OEG-Station oder das andere Ding weiter unten nichts. Wieso zur Hölle meinen eigentlich alle Gastronomen mit Wasserbezug, dass aufwändig angekarrter Sand schon Konzept genug sei?
Weil Mannheim also auch die Stadt der Ideen ist, wird ein weiterer schöner Ort eliminiert. Es ist zu befürchten, dass an seine Stelle etwas ganz Ordinäres hingeklotzt wird. Man dachte ja schon an Bildungszentren und Zeug. Erst wird das Gebäude wie üblich ein paar Jahre weiter vor sich hin bröckeln, und dann wird es abgerissen und was Neues hingestellt. Das dauert Jahre, und während der ganzen Zeit wird der Zugang zum Neckar versperrt sein, die Sicherheit und die Verletzungsgefahr, you know? Und bei der kreativen Energie in Mannheim wird man am Ende das bauen, was die Bevölkerung am Nötigsten hat: Einen weiteren Parkplatz nämlich! Damit man sein Auto dort hinstellen kann. Man wird es dringend brauchen, wenn man mal wohin will, wo es schön ist!
Alter_Bahnhof Discounter Gastronomie Lidl Mannheim Neckar Neckarufer OEG_Station Rhein





Also gerade im Zusammenhang mit Lidl gibt es ja die wahnwitzigsten Grundstücksgeschichten aus Deutschen Städten und Orten zu erzählen... Ich glaube da könnte man mal ein wunderbares Buch zur Kommunalpolitik drüber schreiben. Das hätte bestimmt Bestsellerpotential. Aber was will man machen. Inzwischen bestimmen eben die Preise wo man hingeht und was man dort geboten bekommt.