Der heutige Mann ist ein Weichei. Habe ich zumindest neulich in der „Psychologie Heute“ gelesen, und muss sagen: wenn ich mich so anschaue – ihr habt recht. So richtig aufgefallen ist mir das erst, als mir meine Frau nach dem Kino den Plot von „Ring 2“ erzählt hat. Ich war übrigens auch im Film, hatte mir aber die meiste Zeit die Augen zugehalten. Als mir mein Freund J. dann erzählte, „Ring 1“ sei noch schlimmer, dachte ich kurz daran, mich therapeutisch eine Woche lang mit diversen Horrorfilmen in einem dunklen Zimmer einzuschließen. Ich gab den Gedanken allerdings auf, als ich hörte wie Jochen auf den Film reagiert hatte. Bzw. seine Freundin auf seine Reaktion. Sie ist übrigens jetzt seine Exfreundin.
J. und ich weinten kurz bei einer Tasse Tee und beschlossen dann, unser Schicksal anzunehmen. Für uns gibt es jetzt ja sogar einen Namen: wir sind Metrosexuell. Fand ich erst toll, bis ich dann erfahren habe, dass ich evolutionär auf einer Stufe mit David Beckham stehen geblieben bin. Seitdem denke ich auffällig oft über die Horrorfilmtherapie nach, oder über Selbstmord. Ich entschied mich dann schließlich für Kung Fu, und ließ mich folglich eine Woche lang 2 x 3 Stunden lang verprügeln. Schnell merkte ich die ersten Erfolge: ich fühlte mich ausgeglichen, stark und einfach männlicher als sonst. Spät erst fiel mir auf, dass dieses Gefühl ausschließlich eintrat, wenn die Kung Fu-Stunde ausfiel.
Diverse Jahrgänge von „Psychologie Heute“ lehrten mich dann, dass die größten Weicheier eigentlich die sind, die gar keine sind. Also die Typen aus der Unteren Straße, die alle, die keinen Doppelten bestellen als Scheiß-Hippie bezeichnen. Ich hasse Schnäpse, hatte aber an diesem Abend günstigerweise ein Kung Fu Deja-Vu und entschied die Auseinandersetzung für mich. Aber mir war klar: wir hatten eine Weicheierepidemie.
Wie konnte es dazu kommen? Waren wirklich alle betroffen? Gehört Chuck Norris am Ende auch zu uns? Die Laienpsychologie schiebt den Frauen die Schuld in die Schuhe: mit zunehmender Emanzipation hätten sie große Teile ehemals männlicher Domänen für sich erobert. Die Jungs haben nirgendwo mehr das alleinige Sagen und verlegen sich daher aufs Klamottenkaufen und gut aussehen.
Wir glauben, das Problem liegt woanders. Männer sollen heute einfach zu viel auf einmal sein: einfühlsam und hart, durchtrainiert aber nicht muskulös, attraktiv aber nicht hübsch. Die Metrosexualisierung der deutschen Gesellschaft ist also kein wirklicher Trend, sondern die totale Verwirrung – indem der deutsche Mann versucht, alles auf einmal zu sein, ist er am Ende gar nichts. Oder halt eben ein Weichei. Man kann sich das Vorstellen wie einen Porsche, der gleichzeitig versucht, vorwärts und rückwärts zu fahren. Die attraktive Fahrerin würde ihn zwar gerne benutzen, kommt aber nicht rein, weil die Karre vor lauter Selbstzweifeln die Türen von innen verriegelt hat. Wie KITT aus Knight Rider zum Beispiel, bloß dass der noch recht männlich für eine Maschine war.
Was wir brauchen ist nicht unbedingt der neue Macho. Was wir brauchen ist einfach irgendein Image, an dem wir uns festhalten können. Und sei es das des Weicheis. Dann sollte man aber auch dazu stehen.





Na, da hast du ja des Pudels Kern getroffen! Während der ganzen Evolutionsgeschichte hatten die Männer fest gelegte Domänen, Funktionen, Schubladen, in die Sie rein gehörten. Im Zuge der vergangnen 50 Jahre haben die Frauen euch aus dieser Enge berfreit. Niemand erwartet mehr von euch, dass ihr so oder so seid, dies oder jenes tut, so und so ausseht, für dies oder jenes verantwortlich seid. Nein! Ihr seid frei!
Dass dies sehr irritierend ist, plötzlich ohne ein Gerüst da zu stehen, an dem mann sich fest halten kann.....das ist absolut verständlich. Wenn ewig fest gelegt war, was angeblich falsch oder richtig ist, steht man erst Mal da und weiß garnix mehr.
Ein Tipp: Ihr dürft jetzt einfach sein wie ihr seid! Jetzt müsst ihr euch nur eine Weile zurück lehnen und drüber nach denken, WER ihr eigentlich seid! Und habt keine Angst: Ich als Frau sage euch, ihr seid auf alle Fälle interessant. Und nach wie vor gilt das Naturgesetz: Die, die einen Draht zueinander haben, werden viel gemeinsam unternehmen. Die, die keinen zueinander finden, gehen aneinander vorbei. Es spielt eben nur keine Rolle mehr, ob man männlich und oder weiblich ist.
Ich wünsche euch auf alle Fälle viel Spaß bei eurer Entdeckungsreise und freue mich auf Männer, die eine innere Ruhe ausstrahlen, weil sie sich gefunden haben und es zu schätzen wissen, so sein zu dürfen, wie sie nunmal sind.
Ach, das mit den Schubladen oder Festlegungen... ich weiss nicht! Auf welcher Grundlage basiert denn die Feststellung, dass Männer dies und die Frauen das getan haben? Nur weil es heute so ist?
Wenn man mit der Brille von Heute das Geschehen von Gestern interpretiert, dann kommt sowas wahrscheinlich dabei raus. In Urzeiten konnte es sich die Sippe aber gar nicht leisten, dass Frauen eine Antilope vorbeispringen zu lassen, bloss weil gerade kein Mann da war.
Die ganzen Mann-Frau-Verstrickungen sind eher das Ergebnis der durch die Industrialisierung forcierten Arbeitsteilung. Okay okay, die Frau galt viel früher eher eher als defekter Mann, "der" aber im Notfall die Zügel in der Hand halten konnte. Alles in Allem wurden den Geschlechtern aber nahezu gleiche (soziale und handwerkliche) Fähigkeiten attestiert.
Die Mars/Venus-Kiste die neuerdings wieder gefahren wird, ist also möglicherweise ein ganz großer Mist!
Ich persönlich will deswegen überhaupt kein neues Geschlechtermodell für mich entwickeln müssen und halte es eher mit Gender-Mainstreaming inklusive anhängigem Bio-Unterschied und exklusive sozialem Geschlecht. Ist nicht einfach, aber allein der Ismus tut gut. Von mir aus auch als metrosexueller biologische Mann!
Soso, liebe Beate, wir sind nun also frei... Vielmehr hab ich doch das Gefühl, dass Ihr Frauen eine Belohnung für die Erfolge im Geschlechterkampf erwartet, und zwar von Eurem Gschbusi! Dabei steht er ja da eigentlich garnicht so wirklich auf Eurer Seite, also schon persönlich, aber nicht unbedingt generell; bestenfalls (meistens) ist es ihm egal. Nun wird er aber von seiner Freundin vom Sofa geschubst, weil das geht ja nicht klar und im Allgemeinen kann er doch nicht so chillen, wo draußen der Geschlechterkampf tobt. Der arme Kerl, der ist erst ahnungslos und dann überfordert. Frei fühlt er sich auf jeden Fall nicht. Deine These ist aber toll und liest sich so schön.... weißte was, gib mir doch Deine Nummer, dann kann ich Dich mal spontan als Kronzeugin aktivieren... oder viel besser: Gib mir Deine Nummer, ich will Dich kennen lernen!
Tja Holger, wenn ich deine intellektuellen Phrasen entblähe, stelle ich fest: Inhaltlich liegen wir ziemlich nah beieinander. Jeder darf einfach sein, wie er will. (Selbstverständlich immer mit der gebührenden Rücksicht gegenüber den anderen Mitgliedern der sozialen Gmeinschaft.) Wie es nun dazu gekommen ist....nun, überlassen wir es doch den Evolutionshistorikern, dies für uns zu klären.
Und lieber Michael...ich erwarte doch keine Belohnung für etwas, das garnicht mein Verdienst ist! Das waren eher die Sufragetten oder Alice Schwarzer. Und von deren Methoden dabei, halte ich nicht in jedem Fall viel. Ich persönlich lebe einfach ganz normal, dem anderen Geschlecht gegenüber völlig entspannt und freu mich, wenn ich interessante Menschen treffe. Ich find es auch immer spannend, wenn mir jemand eine neue Sichtweise auf Dinge eröffnet. Insofern....meine Nummer würd ich dir glatt gerne geben.
Schau mal da, ein Kommentar von Beate.... immer noch gute Einstellung (...kann ich jetzt sagen, nachdem ich Suffragetten gegoogelt habe), vor allem klingts ausgeglichener als Alice (die jedoch nicht immer unrecht hat). Was die wohl sagen würde, wenn ihr Name in nem Forum fällt und im nächsten Satz wird geflirtet? Weiß nicht, aber, Achtung, hier ist der nächste Satz: Dann gib mir doch einfach Deine Nummer, Beate!