die linken Hochschulgruppen

Was machen eigentlich…


Man glaubt ja gar nicht, dass man sie mal vermissen würde - die euphorisierten jungen Männer mit den Klapptischen, den Flugblättern und dem wilden Ausdruck in den Augen, der da sprach: Komm mit uns, die Welt ist gefährlicher als Du denkst. Tatsächlich erscheint mir die Welt auch manchmal ziemlich gefährlich, Raubtier-Kapitalismus und Globalisierung und so, aber dann dauert es meist nicht lange, bis ich mit ungekämmten Haaren und wildem Blick in der nächsten Beziehung lande und die ist dann meist so eine pragmatische Juristin, ich kämme mir die Haare, habe wieder Sex und vergesse den Kommunismus. Oder ich muss arbeiten und habe keine Zeit für Revolution, oder ich arbeite nicht und habe schlechten Sex, gerate aber trotzdem unter den Einfluss von pragmatischen Juristinnen – die ja bekanntlich schon den Abstieg von Prada zu Gucci für eine soziale Revolution halten.

Man mochte die Genossen am Eingang des Marstalls damals ja allein schon deswegen, weil da was getan wurde, während man mittags um eins das erste Bier1 bestellte. Die Konservativen konnten sich aufregen, die Politschlaffis sich lustig machen. In beiden Fällen ein Diskussionsstoff und ein guter Grund für 1. Sogar nachdem Poststrukturalismus, Postideologie, Postmoderne und Deutsche Post einem den letzten Rest von politischem und weltanschaulichem Elan ausgetrieben hatten (letztere durch reinen Psychoterror), fand man die Jungs irgendwie gut: Das gab der alten Revoluzzerstadt Heidelberg so einen nostalgischen Touch.

Das ist natürlich nicht genau das, was die Neue Linke beabsichtigt hatte (wenngleich es besser ist als die Imagekampagne der Neuen Rechten). Zu Grunde liegt ein Paradox: Sieht man zu gut aus (Che), kriegen einen die Kapitalisten (s. Juristinnen). Sieht man nur mittelmäßig aus, nimmt einen keiner ernst (s. Marstall). Sieht man aus wie Oskar Lafontaine, hat man erst eine schwere Kindheit, dann Freunde wie Gerhard Schröder und schließlich Leute als Anhänger, die eigentlich auch der Neuen Rechten nachlaufen könnten, aber zufällig in Berlin-Mahrzahn wohnen.

Klar ist, die Revolution kommt nicht so richtig in Gang. Ich zum Beispiel: Seit meiner Studienzeit am Germanistischen Seminar nehme ich mir vor politischer zu sein. Jedes Mal jedoch, wenn ich mich mit dem Kampf für soziale Gerechtigkeit angefreundet hatte, beschlossen meine Eltern, mir doch noch einen allerletzten Kredit zu gewähren.

Damit konnte man dann wieder Bier im Marstall kaufen, sich betrunken Gedanken über Raubtierkapitalismus machen, irgendwie verwildert aussehen und am Ende in den Armen einer pragmatischen Juristin landen.

Vielleicht solltet ihr Euch für die Rechtswissenschaften öffnen, liebe Genossen, dann klappts auch mit der Revolution.


Jochen Weiland

Jürgen Wiegand | Dienstag, 11. September 2007 10:04 | Keine Kommentare »

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