Eine Ode
Eichbaum! Deine Wurzeln reichen zurück bis in meine Jugend, als wir DM 1,- mehr zahlen musste um an deinen Saft zu kommen, weil wir noch nicht 16 waren und dermaßen beschämt in der Tankstelle zu Ladenburg herumstotterten, dass der freundliche Schankmann mit maliziösem Lächeln sprach: „Vier Mark. Fünf, weil ihr es seid.“
Dein Geschmack: würzig, vor allem zu Chips und noch würziger, wenn’s dann wieder herauskam. Ich habe trotzdem nicht aufgehört Dich zu lieben; ich esse einfach keine Chips mehr. Der Witz, Alkohol mache Männer zu Frauen trifft auf Dich nicht zu: Du bist so männlich-mannheimerisch wie Ben Becker. Wenn er nicht Berliner wäre.
Wie eine Frau bist Du trotzdem manchmal: Wenn man dich zu lange stehen lässt, wirst Du sauer. Sauer würdest Du immer schmecken, behaupten die Bayern, und den Nordlichtern bist Du nicht sauer genug. Ich gebe zu, manchmal weiß ich, wie sich Fans psychedelischer Pilze fühlen – also nicht von der Wirkung her, sondern vom Geschmack. Aber das Leben ist halt manchmal hart und Mannheim im Besonderen.
Die Generation Techno ging an mir vorbei - dank Dir. Extasy schmeckt einfach nicht zu Eichbaum. Die Hedonisten der Clubs trinken Becks Gold, die Teenies Desperados und die Weicheier Tannezäpfle. Auch ich, muss ich Dir gestehen, war einige Male untreu – in jeder guten Beziehung gibt es Krisen. Trieb mich in überteuerten Läden fern der Heimat herum, mischte koffeinhaltige Getränke mit dem edlen Gerstensaft. Nutten, Schampus und Koks praktisch, bloß ohne Nutten und Koks und der Schampus war auch nur Sekt.
Jeder Höhenflug endet zum Glück irgendwann: Das Licht auf dem Main Floor des Lebens geht an, von den Gesichtern der Dancing Queens brökelt das Make Up wie damals die Berliner Mauer und wie damals ahnt man schon: dahinter steckt nichts Gutes. Der Unterschied zwischen Drum `n` Bass und einem schweren Unfall mit elektrischen Haushaltsgeräten ist nicht mehr so glasklar, undefinierbar auch der schale Geschmack in Mund und Hirn.
Da ist das Leben mit Dir, Eichi, anders: los geht’s euphorisch, zack sind die ersten 1,5 Liter weg. Während die ersten Mädels aussteigen, zeigt ein Teil der männlichen Trinkgesellschaft schon Ermüdungserscheinungen; der Rest setzt die Druckbetankung fort. Das Gespräch wird intensiver, wenngleich nicht wirklich inhaltsreicher. Auf die Idee, auf Tanzflächen den Gröfaz zu machen kommt keiner; das Ego wird eher schwammiger als aufgeblasen. Bei Liter 2,5 kommt das lange vergessene Mannheimerisch wieder zu Tage und die dickliche Sozialpädagogin aus dem Jungbusch ist plötzlich einfühlsam, oder zumindest weich, wie man auf ihrem Busen liegend feststellen muss. Mama. Spätestens bei Liter 3,5 zeigt die Gesellschaft in psychischer und physischer Hinsicht starke Auflösungserscheinungen und um Viertel nach Zwölf liegen alle im Bett.
Jetzt hast Du also ein neues Image, Eichbaum, oder zumindest neue Etiketten. War nach der Pleite mit Ben Becker vielleicht auch nötig, ist aber letzten Endes egal. Solange die Kurpfälzer Seele lebt, die Metrosexuellen das Ruder noch nicht völlig übernommen haben, „Hajo“ als eigenständiger Satz gilt, vor allem aber, du Königin der Braukunst, ein Herrengedeck Deines Ambrosias an der Tanke um die Ecke immer noch für 3,99 zu haben ist, solange steht eins fest: na ja, Du weißt schon.
Jochen Weiland





wie immer ein gelungener und amuesanter beitrag; weiter so herr weiland !!!
Ha! Klasse. Sprichst mir aus der Seele! Auch ich hatte meine "Taufe & Entjungferung " mit Eichbaum. Ich war 15 und hatte Andis (17) gefälschten Moppedführerschein um an den Stoff ranzukommen! Export! Genau für 3,99 - aber DM nicht EUR. Und Chips gabs auch immer dazu. Die von Leckerland ... Und heute? Kein Jever! Kein Becks - sondern Heidelberger 1603!!! Das ist auch viiiiiel besser als sein Ruf (von damals). Prost.
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Na ja, vielleicht fehlt mir ja die Sozialisation in Mannheim. Nüchtern betrachtet: Eichbaum ist nicht schlecht, doch stark überschätzt. Und die "Getränke der Jugend" sind es auch: Das von mir zur Jugendweihe verschnabulierte Bischoff- Pils wurde von mir - Nostalgie hin und Brechreiz her - nicht mehr getrunken, seit ich weiss, was gutes Bier ist. Jetzt würdet ihr wohl gerne wissen....