Ein Tryptichon

Der neue Harry Potter ist da

Szene I: das Grauen
Es ist 3 Uhr morgens (gefühlt). Ein Schrillen zerreißt die mondene Stille. Aus dem Nachtmahr schreckt der Unselige in das unsägliche Grauen eines neuen Tages: die Geliebte ist weg. Tastend suchen seine erkalteten Finger nach der Wärme, die ihr von Traumgespinsten erhitzter Körper auf dem Laken hinterlassen haben muss. Nichts, dann: ein Gedanke. 
Sollte sie am Vorabend noch eine Weinstube aufgesucht haben?
Am Ende
mit A.?

Gedankenfetzen durchjagen seinen ausgemergelten Schädel.

Das hieße, dass jetzt wahrscheinlich beide meiner vor der Türe harren. Total betrunken. Oder einer ist verletzt. Oder beide. Oder tot.

Er weiß für einen Moment nicht, was schlimmer ist – Tod oder: A. grinsend kotzend, auf seinem Sofa plus Geliebte des Unseligen spottend. Er putzend, während A. und Geliebte auf dem Balkon dem Nikotin frönen. Beide laut Musik hörend, A. raucht in der Wohnung, Zigarettenspuren auf dem Sofa (vollgekotzt).

Oh mein Gott! Welchen Sinn haben Tageszeiten wie 3 Uhr morgens? Wo ist Gott um die Uhrzeit? Wenn Gott wirklich unendlich ist, wie kann er dann Sprechzeiten  haben? Wo ist meine Frau? Wo sind meine Zigaretten?

Panik kriecht seine Wirbelsäule hinauf. Eine eiserne Klammer scheint um seine Schläfen zu liegen. Stunden werden Äonen (gefühlt), und erst das proper glänzende Antlitz der ins Zimmer schauenden Geliebten reißt den Geplagten aus dem Sog seiner Gedanken, bzw. das, was sie ihm ins Gesicht hält –


Szene II: die Frauen

Feminologie ist eines der Studienfächer, die es alleine deshalb noch nicht auf den Lehrplan der hiesigen Universitäten geschafft haben, weil jeder dazu eine eigene Meinung hätte. Das wäre dann so etwas wie das literarische Quartett, bloß dass ganz Deutschland mitdiskutieren würde, und dann würde ja keiner mehr die Wirtschaft voranbringen, und Sex hätte wohl auch niemand mehr (viel reden = wenig Sex). Ein bisschen reden muss man dann allerdings doch, sonst gar kein Sex, außer in Terminator I, aber da ist die Lage ja auch anders. Dachte ich mir auf jeden Fall, als ich unlängst dieses unbeschreiblich sinnlich-intellektuell-morbid-kühl-versaute Geschöpf in meiner Stammkneipe betextete und betextet wurde: Sie war tief, und dunkel, sie kannte Derrida und machte sich über ihn lustig. Mit dem Satz: „Wenn der einzige Sinn des Lebens in der Annahme der Geworfenheit als Geschenk besteht, fällt das ganze Geschenkeding ja in sich zusammen, und ich kann mir noch einen Jägi holen“, hatte sie meine Deckung eingerissen und ich fragte mich, wie sie wohl an der Stelle zwischen Hals und Schultern roch und ob Nachdenklichkeit und guter Sex sich vertrugen.
Ich sollte es nie herausfinden. Tatsächlich war es so, dass wir nach dem 6. Jägi irgendwann zu dem absoluten Grund des Seins vorgestoßen waren, mehr noch, mein Schenkel befand sich zufällig zwischen ihren hauteng jeansbewehrten Beinen, wir hatten gerade das tantrische System abgehandelt (theoretisch) als sie diesen verträumten Ausdruck in die Augen bekam, den ich fälschlicherweise auf mich bezog, und sie hob an und sprach: „Willst Du wissen, was mir die Kraft gegeben hat, die letzten 3 Monate zu überleben, genauer gesagt, zu überleben bis zumindest Samstag? –


Szene III: Abhauen


berggleich türmt
was mich bestürmt
seit tagen nun
das buch

aufschlagen –
schinkenseiten oder
ich
auf dem boden der realität

kanns nicht, schaffs nicht
wort wird qual
und
kein ende in sicht

gott google
ins dickicht bring licht!

ich sags euch:
harry stirbt
oder auch nicht


Jochen Weiland

Jürgen Wiegand | Montag, 29. Oktober 2007 09:30 | Keine Kommentare »

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