Ich war nicht dabei!

Arena of Pop

Ja, ich habe es getan: ich war nicht auf der Arena of Pop. Auch wenn da Pink ist, und man selbst in den hintersten Reihen etwas sieht, weil da „mindestens 5 Meter hohe“ Leinwände aufgebaut sind, wo man nicht nur sieht wer gerade spielt (vermutlich Pink), sondern theoretisch auch, ob sie sich die Nase ordentlich geputzt hat, oder noch Tomatensoße vom Mittagessen im Gesicht.  
Hat sie natürlich nicht: Pink ist zwar Punk, aber trotzdem ordentlich geschminkt. Rebellion ja, aber schlecht dabei aussehen geht gar nicht. Wir sind hier schließlich in Amerika! Nein, ich habe ja gar nichts gegen Pink (außer dass sie furchtbare Musik macht), auch nicht gegen Juli (außer dass sie die plattesten Texte der Republik haben)(und das will etwas heißen!), die Killerpilze finde ich sogar irgendwie putzig, erinnert mich an die Zeit als ich mit O. eine Band gründete, um endlich einen vernünftigen Vorwand für exzessiven Bierkonsum zu haben. Ich wünschte, die Killerpilze würden auch mehr Bier trinken, und weniger Musik machen!
Nun sind sie aber da, und sie haben ihre Gitarren mitgebracht, respektive Protestsongs gegen George Double-U (süß!), und ich hätte eigentlich gar nichts dagegen, mich zusammen mit geschätzten 500.000 Mannheimern einen Abend lang beschallen zu lassen, wenn da nicht dieser euphorisch gefeierte Konsens seit Tagen im Raum gehangen hätte, den meine Freundin C. auf den Punkt brachte:  
Ich: „Weiland, hallo?“
C.: „[Begrüßungsformeln] Wir gehen heute auf die Arena of Pop, da spielt Pink! Kommt ihr  mit?“
Ich: „Äh, Pink ist doch voll Scheiße, oder?“
C. (in einem Tonfall, mit dem Oma einem das Weihnachtsgeschenk überreicht): „Ja, aber das Ganze ist umsonst! Da kommen mindestens 500.000 Leute, wenn nicht noch mehr! Und Juli sind auch da!“
Klar, hier gibt’s was geschenkt. Freut mich und finde ich in Zeiten maximaler Profitorientierung auch wunderbar. Aber mich beschlich unweigerlich das Gefühl, dass das erste Drittel des Publikums (weiblich) nur da war, weil Pink halt ein Promi ist, das zweite Drittel (männlich), weil Pink halt (das gebe ich zu) das ist, was man auf gut Mannemerisch eine „geile Sau“ nennt, und das letzte Drittel ist minderjährig, und findet Pink wirklich gut. Den Anti-Bush-Song nehmen alle drei Drittel genauso ernst wie Pink selbst: gut dass wir drüber geredet haben.  
Ins Grübeln kam ich am nächsten Tag dann allerdings schon, als P. (16 Jahre) in der RNZ die Sache auf den Punkt brachte: „Eigentlich ist es egal, wer da oben gerade spielt. Gefeiert wird auf jeden Fall!“  
Vielleicht gibt’s ja nächstes Jahr wieder eine „Arena of Pop“. Ich würde mir da Shanaya Twain vorstellen (mit Tigerbikini, aber ohne Ton), die Killerpilze (mit viel Bier) und als Rausschmeißer Nena, an der die aufgeheizte Mannheimer Menge dann ihre Aggressionen rauslassen kann.  
Peace!
Jochen Weiland

Jürgen Wiegand | Montag, 30. Juli 2007 12:44 | 2 Kommentare »

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Kommentare

2 Antworten zu “Arena of Pop”

  1. daniel schrieb am Mittwoch, dem 1. August 2007 um 14:45

    Hmm ich war auch nicht da (-:
    Ich hab dafür sogar n buch gelesen....

  2. Agree schrieb am Sonntag, dem 5. August 2007 um 16:54

    Ich gebe dir da vollkommen recht! Mannheim, die neuerdings selbsternannte Stadt der Pop-Musik veranstaltet ein kostenloses aber dennoch ziemlich kommerzielles Konsumfest, bei dem vor einem Dönerstand (es gibt ja schließlich sonst keine in der Nähe) ca. 40 Leute eine geschlagene halbe Stunde damit verbringen, zu warten, damit sie ihr Geld loswerden können, obwohl sie in der selben Zeit wahrscheinlich 4 mal zum bahnhof an die Dönerbude gelaufen wären..
    Die Werbetrommel wurde im Vorfeld kräftig gerührt und bis in das letzte Kaff Plakate aufgehängt, damit es auch ja an niemandem vorbeigeht. Vielleicht wäre es angebrachter gewesen bei solch hohen erwarteten Besucherzahlen, das Festgelände ein klein wenig auszudehnen... Die Plakatauflage und Kosten der Anzeigenwerbung wären auch mal interessant zu erfahren. Hätte man, bzw. die Stadt Mannheim, nicht Besseres mit dieser ganzen Kohle anstellen können? Muss es gerade die Möchtegern-Rock-Göre Pink sein, die Wert darauf legt, tiefer aus der Gasse zu kommen als jeder Andere und mit ihrer ach so schlechten, gut vermarkteten Kindheit angibt als sei es das Prerequisit einer solchen Karriere? Pink, die nun 4 Jahre nach Beginn des ungerechtfertigten Beginn des Irakkrieges mit ihrem neusten Lied auf die Anti-Bush-Welle aufspringt, weil sie (jetzt erst) einsieht, dass das ein profitabler Weg zu Respekt ist, der die Kassen klingeln lässt? Hätte man mit ihrer Gage nicht ein besseres Fest veranstalten können, bei dem verschiedene Musikvorlieben berücksichtigt werden und Jeder etwas davon hat? Wie wäre es damit, mal ein paar gute lokale Newcomer Bands zu unterstützen, die nicht in der Pop-Akademie gefertigt wurden? (Ja, es gibt in ma und Umgebung auch eine Musikszene mit Potential außerhalb des Pop-Akademie-Umfeldes..!) Und wenn man unbedingt ein paar Zugpferde haben möchte, die die Massen mobilisieren, wie wäre es mit Bands außerhalb des Pop-Bereichs? Ein gutes Beispiel für eine gelungene kostenfreie Veranstaltung dieser Art ist "das Fest" in Karlsruhe, das immer wieder einen Besuch wert ist und bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Aber was Mannheim betrifft, sehe ich da schwarz. Nehme ich die rosarote bzw "pinkene" Brille ab, dann sehe ich eine Stadt, die sich im musikalischen Bereich auf einen einzigen Geschmack festlegen will, weil dieser vor allem bei den Teenies beliebt ist und daher viel Geld verspricht, anstatt die Vielfalt der verschiedenen Musikrichtungen zu unterstützen, die sich dennoch nicht ausrotten lassen werden. Früher oder später wird sich im Gegenangriff eine unabhängige Kontra-Gemeinschaft bilden, die dieser rein kommerziellen Art der Musik-Generierung entgegenwirken wird. Die Hoffnung ist also doch nicht ganz verloren..

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