Wieder ein bisschen schlauer!
Liebe Theologen!
Dass ihr nicht alle ausseht wie Jesus und keusch seid wie Maria, war mir ja insgeheim schon immer klar. Naja, eigentlich nicht. Egal, aber man könnte von zukünftigen Fast-Heiligen doch zumindest erwarten, dass sie Pullis tragen, die schon zu Jesu Zeiten nicht mehr cool waren, dazu Vollbärte, in denen sich jahrhundertealter Staub ehrwürdiger Seminarsbibliotheken sammelt, usw. etc.
Und Eure Mädels! Dürfen Frauen überhaupt Pastor werden? Und wenn ja, müssen sie dann nicht scheiße aussehen? Wie soll man sich in der Kirche denn konzentrieren, wenn nicht nur die Jungscharleiterin neben einem, sondern auch die Pastorin gut aussieht? Und wenn die dann noch so einen Hang zu vergorenem Traubensaft hat, wie die Prä-Pastorin auf Eurer letzten Theo-Party vorvergangenen Freitag, da bleibt ja nix für die Abendmahlsgesellschaft! Oder lernt ihr auch an der Uni, wie man Wasser zu Wein macht? Und was sagt eigentlich Gott dazu, dass ihr in einer Kneipe namens „Zum Teufel“ feiert? So heftig gar, dass bei meinem Eintreffen die Emma 24 gerade dabei war, unter den verzweifelten Blicken des Kneipenwirtes Andreas L. liter-, ach hektoliterweiße Flüssigkeiten in die Hütte zu schaffen, bei denen es sich SICHER nicht um Weihwasser handelte?
Nachdem ich mich durch eine Traube ausgesprochen unschlechtaussehender Theos gedrückt hatte (keine(r) hatte einen Rentierpulli an), empfing mich harte, fast schon satanisch zu nennende Rockmusik im Inneren, zu der sich beseelte Menschen gar unzüchtig bewegten. Alle, von denen ich mich durch regelmäßige „Teufel“-Besuche abzugrenzen versucht hatte, waren da: die gesamte postmoderne Christenheit. Sogar Jesus fand sich in der Menge, den muskulösen Körper in einem CK-Unterhemd verpackt. Ich hatte plötzlich gar keine Lust mehr auf Trinken, dachte eher an Beten und die ganze Sache mit Gott noch mal überdenken. Meine schönen Vorurteile – zerschmettert!
Aber, liebe Theos, ihr könnt ja nicht nur trinken, sondern auch labern. Während meine Begleitung sich an Jesus herantanzte, der inzwischen die Auferstehung der Toten am jüngsten Tag zu den Klängen von „Tainted Love“ inszenierte, retteten Philip und Thilo mein Gottes-/Weltbild (wenn ihr katholisch wärt, würdet ihr heilig gesprochen):
11. Gebot: Du darfst Dich auch gut anziehen, wenn Du Bock hast.
12. Gebot: Gelegentlich auf die Kacke hauen ist O.K.
13. Gebot: Gott liebt Dich sogar, wenn Du alle anderen Gebote gebrochen hast.
Und vor allem: die sind gar nicht alle richtige Christen! Da gibt’s ja noch die historisch-kritische Theologie (Masochisten, die die Bibel lesen, ohne dran zu glauben), die feministische Theorie (Bibel is O.K., aber nur wenn Gott eine Frau ist), die Mystiker (Jesus war eigentlich Buddhist), die Satanisten (was die hier machen weiß ich bis heute noch nicht) und natürlich all diejenigen, die Theologie studieren, weil der Numerus Clausus zu nix anderem gereicht hat.
In meinem nächsten Leben studiere ich Theologie, verspricht Euch Euer, Jochen Weiland




