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Nichtrauchen auch

Rauchen kann tödlich sein

Endlich mal wieder was zum rebellieren! Nachdem der Bush-Irak-Komplex als Anti-Thema so langsam langweilig wurde, wir uns von einem aufrechten Mönch belehren lassen mussten, dass Gegen-Hartz-IV-sein gar nicht cool sei, ja die 50-Stunden-Woche sozusagen eine unverdiente Gnade, also kurz: alle Reizthemen entweder von den Linken oder den Theologen abgegriffen waren, jetzt das: das Rauchverbot. Jeder hat eine Meinung dazu, und man kann gut christlich davon ausgehen, dass in der Diskussion „wer nicht für mich, wider mich ist.“ Man könnte eigentlich aufhören zu rauchen, hat man doch genug mit Diskutieren zu tun. Könnte.

Über Sinn und Unsinn eines staatlich oktroyierten Verbots kann man streiten (ja, liebe Nichtraucher, kann man!), klar war, dass die Rebellion kommen wird, auch wenn’s nur eine kleine ist, und sie kam: gestern Abend, um 0.45 Uhr. Genau zu diesem Zeitpunkt steckte A. sich in einer nicht näher spezifizierten Lokalität in einer nicht näher spezifizierten Stadt gedankenverloren eine Fluppe ins Gesicht, und er sollte auch den Rest des Abends nicht wirklich mitkriegen, dass er soeben die Revolution gestartet hatte.

Gekommen war das Ganze so: man saß und grillte bei P., bzw. P. saß nicht, sondern tanzte, wobei er sich nach und nach seiner Kleidung entledigte. Gespielt wurde Ösi-Rock, was der Hälfte nicht wirklich zusagte, aber auch irgendwie egal war, gab es doch Bier, Würstchen und P. zum Angucken. Und: Zigaretten. Mit Zigaretten stopft man bekanntlich die Löcher, die das Nichts manchmal in die Zeit reißt - an der Bushalte, wartend vor H&M und natürlich auf Partys, wenn man gerade nicht am Reden, Tanzen oder alles toll finden ist. Fluppe rein – 5 Minuten vorbei. So einfach ist das.

A. fand gar nichts toll an diesem Abend, was an einer unheilvollen Konvergenz zweier Enden lag: dem seiner Beziehung, und dem seines Raucherdaseins. Zwar hatte er mehrere Male versucht, das Ruder mit MIAs „Tanz der Moleküle“ herumzureißen, kam jedoch gegen die Ösi-Fraktion (drei von sechs, darunter der Herr des Rechners = P.) nur selten durch. A.s Moleküle tanzten nach 36 Stunden Abstinenz zwar auch, aber eher Pogo. Im Gegensatz zu P., der sich inzwischen, lauthals „Es lebe der Sport“ grölend, seiner Hose entledigt hatte, und frei improvisierte.

Schnell war klar: eine nicht näher spezifizierte öffentliche Lokalität musste aufgesuchte werden, um A.s Gedanken von C., Zigaretten und österreichischer Musik loszueisen. Wer dort am Tresen saß, und noch lauter über die Witzchen ihres Begleiters lachte, nachdem sie A.s ansichtig geworden war, auch klar - C. Das war dann doch irgendwie alles zuviel, und der Punkt, an dem A. zum Anarchisten wurde. Selten hat ein Revolutionär so schnell Gefolgschaft gefunden: innerhalb weniger Minuten sah der hintere Teil des Schuppens aus wie ein türkisches Dampfbad. Verschwörerisches Grinsen allerorten, was fast schon paradox war, da Verschwörer und Mehrheit identisch waren. Eigentlich hat jeder geraucht; gestern war allerdings wohl das erste Mal, an dem ein Glimmstengel eine ganze Kneipe zu Brüdern machte.


Jochen Weiland


Jürgen Wiegand | Sonntag, 19. August 2007 09:45 | Keine Kommentare »

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