Wie ich beschloss, steinreich zu werden

Lotto lohnt doch

Wenn man erfährt, dass man auf einer Augenarztrechnung in Höhe des eigenen Praktikantengehalts sitzen bleibt, ist Mittag machen bestimmt nicht die schlechteste Lösung. Besser zumindest als durchdrehen, oder Gott und das Schicksal beschimpfen, den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren oder sich während der Arbeit betrinken. Wüst beschimpfen kann man auch niemanden: Der zuständige Arzt ist inzwischen in Rente und unter den Sprechstundenhilfen wird man so lange hin und her gereicht, bis man 1. versteht was Kafka gemeint hat und 2. vergessen hat, welche nun eigentlich die Schuldige ist.
Der freundlichste Subways-Verkäufer der Welt (oder zumindest Mannheims: Friedrichsring) erkennt mit geschultem Blick den Ernst der Lage und bringt, nach diversen Vorschlägen, die sämtlich mit erhöhtem Arbeitsaufwand verbunden sind, die rettende Idee aufs Tablett: „Wenn man Pech gehabt hat, sollte man Lotto spielen“, und die fehlende Logik dieser himmlischen Eingebung schleicht sich honiggleich ins gestresste Gehirn (dass er dies auch sieben Jahre lang getan hat und immer noch Sandwiches verkauft, zählt in diesem Moment nicht).
Das nervtötend moralisierende Halbwissen von der höheren Wahrscheinlichkeit eines Blitzvolltreffers, als eines Lottosechsers verwandelt sich in mystisch-materialistische Fantasmen praller Schweinslederkoffer voller Scheinchen zur Winzigsorge.
Gesagt, gekreuzt, gekauft – und jetzt, sechs Stunden danach, immer noch zufrieden:
1.    Beste Laune für vier Euro: Das gabs das letzte Mal in den späten 60ern und da auch nur, wenn man gute Connections hatte. Länger als einen halben Tag hats trotzdem meist nicht gewirkt.
2.    Vorfreude statt Feierabendbierchen: Das Ausmalen der Geldberge und das Entgegenfiebern der Ziehung am Mittwoch Abend ersetzt geschätzte vier Halbliter (Ehefrau freut sich ja mit und trinkt auch nix). Macht exakt 2,40 Euro.
3.    Erkenntnisgewinn: Sollte man gewinnen, ist die Frage um die Existenz eines wohlwollenden Gottes endlich auch geklärt. Kann man dann ein Buch drüber schreiben, oder so.
4.    Zeitgewinn: das Nachdenken über ein Blogthema hat sich hiermit auch erledigt.

Die Möglichkeit, sechs Richtige zu haben, wird da schon fast nebensächlich. In diesem Fall Glückwunschkarten bitte an:
Jochen Weiland
Coconut Road 23
Island behind the Horizon
Maledives.


Jürgen Wiegand | Mittwoch, 29. August 2007 11:10 | Keine Kommentare »

Kommentieren

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


Kann ich nicht lesen, neues Bild bitte.


Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Newsletter

Newsletter Abo
Welde_zeigt

Die meistgeklickten Podcasts:

1. Hakims Imbiss
2. ACTA Demo
3. Restauranttester Rach

Promotion

Wellnessurlaub im 4+ Sterne Wellnesshotel an der Mosel