Und wenn ja, warum nicht?
Es sieht ja inzwischen so aus, als solle am kurpfälzer Wesen die Welt genesen. Mannheim ist Pop-, Jazz-, Foto-, Kampfkunst- und wahrscheinlich auch Dönerhauptstadt, und überhaupt würde der Rest `schlands sich nur noch in unserer hübsch-hässlichen sog. Metropole herumtreiben, wenn die Deutsche Bahn Mannheim nicht vom ICE-Netz abhängen würde. Meine hochgeschätzte Kollegin Ch. fasst das so zusammen: „Für mich ist Mannheim die schönste Stadt Deutschlands, ich darf nur nicht zu genau drüber nachdenken.“
Ihren Gästen geht es anders. „Auf den ersten Blick finden alle Mannheim unglaublich hässlich, aber nach einer Weile verlieben sie sich dann doch.“ Was ich ja irgendwie verstehe, war da doch in der 7. Klasse dieses auffällig unhübsche weibliche Wesen, mit dem ich- na ja, das gehört jetzt nicht hierher. Auf jeden Fall sind die durchgestylten Tussis aus HD tatsächlich nicht mein Typ, aber ob es dann gleich die Geschwister MA-LU sein müssen? Ist MA am Ende vielleicht nur so interessant, weil sie immer mit LU rumhängt? Kennt man ja aus der siebten, die Prinzessinnen haben immer ein paar hässliche Entlein im Schlepptau, gegen die sie abglänzen können…
Nicht dass es in MA nicht ein paar hübsche Plätze gäbe: am Wasserturm konnte ich nicht nur Wasserspiele betrachten; es bot sich schnell auch die Möglichkeit, die psychedelischen Substanzen zur Vollendung der Experience zu erwerben, hätte ich denn Interesse daran gehabt. Der Luisenpark ist definitiv einer der schönsten Orte Deutschlands. Vor allem allerdings, weil MA draußen bleiben muss. Und vom Stars aus kann man nach ein paar Drinks denken, man säße in der Legolandversion Manhattans, was vor allem abends seinen unbestreitbaren Reiz hat. Sich auf dem Paradeplatz mit Geistesgestörten über die objektive Existenz der Welt im Allgemeinen, und Mannheims im Besonderen auseinandersetzen ist definitiv auch lustig, und türkisch lernt man en passant auch noch.
Ich gebe ja auch zu: Mannheim macht definitiv mehr Spaß als Heidelberg. Ihr habt die besseren Clubs, die hipperen Bars, den leckersten Döner und natürlich Xavier, Joy und Rolf. Mein Problem ist nur, dass mich ich nach einem Tag MA Innenstadt fühle, als hätte ich 10 Gauloises auf einmal geraucht, und das Ganze mit dem Kopf in einer angeschalteten Waschmaschine. Totale Reizüberflutung.
Als ich B. davon erzählte, einem Menschen der nicht nur sein Herz, sondern seine ganze Persönlichkeit in der Quadratestadt verloren hat, erklärte er mit buddhistischer Gelassenheit: „Relax. Du musst Deine Vorstellungen der Stadt loslassen. Du verurteilst viel zu viel. Schau mich an: ich habe 30 Quadratmeter, und bin trotzdem glücklich etc. blabla.“
Das gab mir zu denken. Zerstörte ich unsere Beziehung, also MAs und meine, indem ich immer wieder versuchte, HD in MA zu finden? Und vor allem:
Wie lange muss ich denn noch in MA rumhängen, bis ich mich endlich in die Stadt verliebe?
Jochen Weiland




