…außer gutem Kaffee
Die Italiener sehen viel zu gut aus. Letztlich klar wurde mir das nach folgendem Über Deutsche in Italien wurde ja schon viel geschrieben und Lieder darüber gibt’s inzwischen auch so viele, dass man langsam überhaupt nichts mehr glaubt. Um DEN DEUTSCHEN zu finden, zu analysieren und schließlich die Attraktivität einer dauerhaften Übersiedelung in südlichere Gefilde abzuchecken, reiste ich also nach Sardinien und fand tatsächlich mehrere Gründe irgendwann auch wieder heimzuwollen:
1. Dialog, morgens, 7 Uhr, im Nachbarzelt:
Sie (weinend): „Da hab ich mich so gefreut und eigentlich will ich ja auch an den Strand. Aber meine Besenreiser! Und Pickel habe ich auch.“
Er: „Aber die hattest Du doch schon vor dem Urlaub.“
Sie: „Ja, aber, aber, da sind sie mir nicht so aufgefallen! Und fett bin ich auch total, da quillt doch alles raus.“
Er: „Ich verstehe das nicht ganz. Früher warst Du doch auch mit Dir zufrieden.“
Sie (fast schreiend): „Ja, aber hier sind alle so SEXY. Ich will wieder heim.“
Tja, die Frau hat tatsächlich Recht. Die meisten männlichen Deutschen an den Stränden Sardiniens liegen nicht auf dem Bauch um selbigen zu verstecken (was angesichts der durchtrainierten Sarden mehr als verständlich wäre). Um wiederum Bräune, Figur und Attitüde eines Italieners zu erarbeiten, bräuchte ein Deutscher so lange, dass er bis dahin das heiratsfähige Alter längst verlassen hätte.2. Das Essen ist viel zu gut. Problem: siehe 1.
3. Es gibt zu viele Deutsche. Man stelle sich vor: Morgendämmerung über Sardinien. Der junge Abenteurer peitscht sich verschlafen aus seinem Survival-Zelt um ein karges Frühstück aus rohem Fleisch und wochenaltem Brot mit gierigen Bissen herunterzuschlingen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt in einem altersschwachen Bus wird er schließlich kurz angebunden in der Pampa ausgesetzt. Mit Hilfe eines Kompasses und seinem untrüglichen Instinkt entdeckt er nach einem 10-Kilometer-Gewaltmarsch den ultimativen Strand. Als er seinen ausgemergelten Körper aus der Brandung schleift: ein Geräusch. „Die A6 ist zwischen Aglasterhausen und Hintertupfing wegen eines… usw. etc.“ In der Nachbarbucht hat ein Ehepaar aus Meck-Pomm seine provisorische Schrebergartenanlage samt Radio aufgeschlagen, der Camper steht gleich um die Ecke, wie man unaufgefordert mitgeteilt bekommt.
4. Es gibt keinen deutschen Kaffee. Nachdem ich mich am zweiten Tag durch Caffe (=Espresso), Caffe Latte (=Espresso mit tuntigem Milchschaum), Latte Macciato (=Espresso mit tuntigem Milchschaum, aber weniger) und eine Unzahl weiterer Spezialitäten gequält hatte, stand ich nicht nur kurz vor dem Herzkasper, sondern auch vor der Erkenntnis: Die Italiener kennen koffeinmäßig zwischen total frontal und kuschelmuschel keine Abstufungen. Entweder weiterschlafen oder Amphetaminambulanz.
5. Bliebe man länger auf Sardinien, bestünde die Gefahr, Vorsicht, Disziplin, Höflichkeit, Sauberkeit und Intellekt zu verlieren. Kurz: Man könnte glücklich werden.




