Eine Einführung

Wirklich weg war er ja nicht diesen Winter, der Frühling. Und jetzt fühlt er sich schon an wie Sommer. Nach monatelangem Rückzug mit Bruce Lees gesammelten Werken. allen Staffeln von Sex and the City sowie Chips und Schokolade sind wir endlich wieder soweit die ganze Welt zu umarmen. Doch was, wenn da niemand ist, der sich umarmen lässt?

 

Deshalb hier die vorläufigen Top 3 der Heidelberger Flirtlokalitäten samt Gebrauchsanweisung (subjektiv, dafür kostenlos).

 

Platz 3

Alter Hut, aber nicht tot zu kriegen: Die Neckarwiese. Ausgezogen und alkoholisiert ist eh schon jeder. Die Musikauswahl ist so eklektisch, dass man für irgendeine genügend Euphorie aufbringt um die eigene Schüchternheit zu vergessen. Am besten vergisst man auch gleich das ursprüngliche Vorhaben (jemanden offensichtlich toll finden ist seit den 60ern out). Problem: Wenn man nicht aufpasst, landet man zwar beim Musikexperten der Gruppe; das Primärziel ist aber inzwischen beim Volleyball. No go: Zigaretten schnorren. Erstens hört bei Rauchern da der Spaß auf, zweitens sind die Jungs mit den Rastas und den Bongos schon vor Dir auf die Idee gekommen.

 

Platz 2

Der Handelshof in Bahnhofsnähe:Stellt Euch das Paradies vor, bloß mit dem Soundtrack der 80er. Zwischen deckenhohen Regalen mit allem was der chronisch unterfütterte Studentenmagen begehrt, paradiert eine gesunde Mischung aus Schicki und Öko, Akademie und Prekariat. Angesichts freundlich blinkender Labels verschwindet die allgegenwärtige Sorge ums tägliche Brot und macht Platz für die luftigeren Bedürfnisse. Als Mann lässt sich hier die mehr oder weniger freiwillig über die (Studien-)Jahre erworbene Weinkenntnis zwischen den meterlangen und schwach frequentierten Alkregalen gewinnbringend verwerten. Zumal Mädels, die hilflos vor dem überbordenden Weinangebot stehen, unglaublich anziehend wirken. No go: ZUVIEL Weinkenntnis.

 

Platz 1: Man glaubt es kaum, aber unser erster Platz ist das Zentrum gelehrter Langeweile: das Seminar. Hier gilt, je langweiliger, desto besser. Konstanter Entzug sinnlicher Reizmittel führt in einem dialektischen Prozess zu absoluter Erregbarkeit. Der ungepflegte Typ von der letzten Studiparty wirkt angesichts der zweiten mittelhochdeutschen Lautverschiebung plötzlich irgendwie lässig. Um nicht zu sagen: sexy. Zudem hat man notgedrungen schon einmal ein gemeinsames Interesse: die zweite mittelhochdeutsche Lautverschiebung. Und Gesprächsanbahnung bekommen hier auch Autisten auf die Reihe. Eigentlich alle außer denen, die die zweite mittelhochdeutsche Lautverschiebung interessiert. Tipp: Anglistik (Geschlechterverhältnis ausgeglichen, Leute zumindest in der ersten Semestern noch am Leben). No go: Theologie (für Männer), Pädagogik (für Frauen), sowie allgemein den Prof. gut finden.

 

Frohen Frühling wünscht,

 

Jochen Weiland

 

Jürgen Wiegand | Montag, 23. April 2007 09:56 | Keine Kommentare »

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